NoPegida Diaries Pt.2 –
Die Fünf großen Irrtümer der Pegida

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Foto: Foto: picture-alliance / dpa

Bei der letzten NoPegida Demo habe ich mich gefragt, was in den Kernaussagen der Pegida eigentlich steckt und mir die  Brand Values der Bewegung mal etwas genauer angeschaut.

Kurz zusammenfasst stößt man ja bei der  Pegida  immer auf die folgende Kernaussage

Wir sind das Volk und für die Werte des christlich-jüdischen Abendlands und gegen die Islamisierung des desselbigen (oder so)

Dann  nehmen wir doch die einzelnen Bestandteil mal unter die Lupe

Irrtum Nr. 1: Volk

Das deutsche Volk mal gesehen als Organisationseinheit besteht aus ca. 80 Mio. Menschen. Manche haben viele Probleme manche weniger. Viele von Ihnen müssen ihr Leben trotz Krankheit und Schicksalsschlägen meistern. Einige gewinnen im Lotto. Ungefähr 10% von den 80 Mio gehört über 70% des Vermögens, dafür haben 50% wiederum gar keins. Manche sind Fußballweltmeister, viele fühlen sich als solche. Aber all diese Menschen haben mit der Pegida nichts am Hut und die Pegida übrigens auch nichts mit Ihnen. Wenn man mal grooooßzügig den ganzen Schmontzes rund um die AfD zusammenzählt zählen sich vielleicht 4 % der Wahlberechtigen (die auch nur ein Teil des Volk sind) zur Pegida. Das ist nicht das Volk und noch nichtmal ein Völkchen.

Vier (%) sind also nicht das Volk deshalb:

Wir sind das Volk und für die Werte des christlich-jüdischen Abendlands und gegen die Islamisierung des desselbigen (oder so)

 

Irrtum Nr. 2: Christlich

Es gab Protestbewegungen in den letzten Jahrzehnten, die von bei christlichen Kirchen oder zumindest einzelner von derern Vertretern Unterstützung fanden. Beispielsweise die Ostermärsche in den fünfziger Jahren gegen die Atomare Aufrüstung, oder auch der Protest gegen den Nato-Doppelbeschluss in der 70er und 80ern. Nicht zu vergessen die große “Wir sind das Volk -Sause” anno 1989 in der  DDR.  Auch Teile der Bibel, z.B. die Bergpredigt spielten spielen hierbei immer gern eine Rolle. Das Christentum ist ja nun wie alle großen Weltreligionen recht -äh- flexibel in seiner Auslegung, aber auf welchen Teil des Glaubens die Pegida sich nun bezieht bleibt schleierhaft Auch basiert ihre Liebe zum Christentum nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit. Warum sollten sonst die Kirchen und auch das Villinger Münster immer das Licht ausmachen, wenn die Herrschaften daran vorbeispazieren. Ich habe übrigens noch nie einen Pedigisten beim Beten beobachten können.

Als christliche Bewegung gehen sie nicht durch, dann streichen wir das mal. Bleibt übrig:

Wir sind das Volk und für die Werte des christlich-jüdischen Abendland und gegen die Islamisierung des desselbigen (oder so)

 

Irrtum Nr. 3: Christliche-Jüdische Kultur

Es gibt eine jüdische Kultur in Europa, die sich jedoch für lange Zeit am  aufgeklärteren arabischen Kulturkreis orientierte. Zu dieser Zeit war nämlich das christliche Abendland schwerpunktmässig mit der Organisation von Pogromen beschäftigt.  Während der jüdischen Emanzipation und den gesellschaftlichen Umbrüchen in Zusammenhang mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert spielten viele Juden eine tragende Rolle bei der kulturellen Entwicklung, speziell in Deutschland (Buchtipp). Die Folge davon, war jedoch kein neues gemeinsames Kulturverständnis sondern ein Aufflammen des Antisemitismus. Zum 20. Jahrhundert muss ich an dieser Stelle glaube ich nichts sagen. Vielleicht schätzen Bachmann & Co. ja die Nennung von zwei Religionen, in denen der Islam nicht vorkommt als Referenz. Ein Pflegen der jüdischen Kultur oder eine Unterstützung der Pegida durch Juden  ist mir nicht bekannt. Was immer den christlich-jüdischen Kulturkreis symbolisieren mag, bei der Pegida findet man davon nichts

Also streichen wir auch das. Bleibt übrig:

Wir sind das Volk und für die Werte des christlich-jüdischen Abendland und gegen die Islamisierung des desselbigen (oder so)

 

Irrtum Nr. 4: Abendland

Der Begriff Abendland entstand im Mittelalter als dem westlichsten, der untergehenden Abendsonne am nächsten, gelegenen Kontinent. Nur zu dumm, dass der Herr Kolumbus noch ein Land weiter westlich entdeckt hat, das dem Sonnenuntergang noch näher liegt.  So und jetzt wird es richtig kompliziert – da die Erde rund  ist geht immer irgendwo die Sonne unter! D.h. Abendland ist überall. Das vielzitierte Abendland existiert eigentlich nur wenn man den Horizont beschränkt – vor allem den geistigen.

Deshalb:

Wir sind das Volk und für die Werte des christlich-jüdischen Abendland und gegen die Islamisierung des desselbigen (oder so)

 

Irrtum Nr. 5: Islamisierung

Bleibt also nur die Islamisierung. Dazu habe ich beschlossen die Herrschaften selbst zu befragen. Und habe auf  dem Pegida Account die altbekannte Frage gestellt, worin denn jetzt die große Gefahr der „Islamisierung“ besteht, wo es doch,  speziell in Sachsen kaum Moslems gibt.

Wer die Antworten lesen will, darf gern auf die Thumbnails klicken. Könnt ihr euch aber auch sparen.

Die Antworten sind authentisch und es sind keine der beliebten extremistischen Kartoffel-Deutsch Ausfälle dabei.  Mich überzeugt allerdings weder das“Koptuch” tragen noch das drohende Schweine-Fleisch Verbot in Kitas und Kantinen. Ob die unterlassende Nutzung von Satzzeichen schon ein erstes Anzeichen der Islamisierung ist, kann ich nicht beurteilen.

Deshalb:

Wir sind das Volk und für die Werte des christlich-jüdischen Abendland und gegen die Islamisierung des desselbigen (oder so)

Bleibt übrig:

Wir sind für die Werte und gegen  (oder so)

Ich denke auf der Ebene könnte man sich eigentlich entgegenkommen. Aber wer den nachfolgenden Strunz liest weiß, das eigentlich einfach nur alles ZU SPÄT ist. Gute Nacht – Abendland.

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NoPegida Diaries Pt. 1. Hier

2 thoughts on “NoPegida Diaries Pt.2 –
Die Fünf großen Irrtümer der Pegida

  1. Nun ja ich glaube, dass Sie den Spruch „Wir sind das Volk“ vielleicht falsch interpretieren. Mag zwar sein, dass von den Pegida Demonstranten das auch einige machen, aber das soll mal bei der Betrachtungsweise keine Rolle spielen. „Wir sind das Volk“ ist ja eigentlich ein Ruf Richtung Politiker und nicht Richtung Gegendemonstranten. Auch eine kleine Gruppe kann das rufen, als Teil des Volkes. Es ist also auch der Ruf nach mehr Mitbestimmung und mehr direkter Demokratie.

    In Zeiten einer großen Koalition ist es normal, dass sich eine außerparlamentarische Opposition in Form einer Bürgerbewegung (friedlich demonstrierende Bürger in Dresden) bildet. Das ist dann gelebte Demokratie. Zudem plant die Bundesregierung millionenfache Zuwanderung (keine Übertreibung) in den nächsten Jahrzehnten, da uns sonst das Rentensystem (Umlageverfahren) um die Ohren fliegt. Die Bürger in diesem Land wollen aber dabei mitbestimmen, wie viel Zuwanderer, wen, von wo und unter welchen Bedingungen das passiert. Pegida erreicht hierzu eine öffentliche Diskussion darüber und das ist gut so. Demokratie bekommt vor allem dann Probleme, wenn sie zu weit nach links oder rechts abrutscht.

    Zitat Rosa Luxemburg: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

    Extreme rechte, linke oder religiöse Gewalttäter schaden unserer Demokratie. Sie gehören vor Gericht gestellt und einer gerechten Strafe zugeführt.

    Die Definition von Rassismus ist ja ganz grob gesagt die Einteilung von Menschen in welche die mehr Wert sind und welche die weniger Wert sind. Genau eine solche Einteilung (Moslems, Christen, Juden, Götzenanbeter, Ungläubige) und somit gefährliche Ideologie finde ich im Koran.

    Wir haben eine historische Verantwortung gegenüber den hier lebenden Juden! Ich möchte nicht, dass der Antisemitismus importiert wird und wir französische Verhältnisse bekommen.

    Der „Islamische Staat“ und die „Boko Haram“ ist die Ideologie vom Faschismus gespeist aus dem Koran des 7. Jahrhunderts.

  2. [“Wir sind das Volk” ist ja eigentlich ein Ruf Richtung Politiker und nicht Richtung Gegendemonstranten. […] Es ist also auch der Ruf nach mehr Mitbestimmung und mehr direkter Demokratie.]

    Teilweise. Meiner Meinung nach haben Sie mit den Sätzen 1 und 3 absolut Recht. Ihr Einschub „Auch eine kleine Gruppe kann das rufen, als Teil des Volkes“ hat an dieser Stelle und in diesem Kontext jedoch keine Berechtigung da der Aus(und An-)spruch „Wir sind das Volk“ sowohl auf den Pegida-Demos als auch an etlichen anderen Stellen mittlerweile inflationär und dementsprechend völlig entfremdet und sinnentleert genutzt wird. Ich vermute, dass dies der Fall ist weil es sich hierbei um einen bekannten und bewährten sowie ideologisch unverfänglichen Ausspruch handelt welcher mit einer gewissen historischen Bedeutung und Schwere belegt ist.

    [In Zeiten einer großen Koalition ist es normal, dass sich eine außerparlamentarische Opposition in Form einer Bürgerbewegung (friedlich demonstrierende Bürger in Dresden) bildet. Das ist dann gelebte Demokratie.]

    Pegida als APO? Oha. Was bildet denn den Kern dieser Bürgerbewegung. Doch nicht etwa die unreflektierte Angst vor „dem Islam“? Mit Verlaub, das wäre dann wohl die schwachbrüstigste APO aller Zeiten.

    [Zudem plant die Bundesregierung millionenfache Zuwanderung (keine Übertreibung) in den nächsten Jahrzehnten, […]. Die Bürger in diesem Land wollen aber dabei mitbestimmen, wie viel Zuwanderer, wen, von wo und unter welchen Bedingungen das passiert. Pegida erreicht hierzu eine öffentliche Diskussion darüber und das ist gut so.]

    Okay, das mag IHR Anspruch sein. Aber braucht es bei Parteien wie der CSU tatsächlich noch eine „Interessenvertretung“ der Protektionisten in diesem Land? Ich denke nicht. Im übrigen schwenken Sie an dieser Stelle völlig ungeniert von der (scheinbar alles beherrschenden) Frage der Islamisierung um auf den Bereich der Zuwanderung, nur um an dieser Stelle mit den selben Nicht-Argumenten weiterarbeiten zu können.

    [Demokratie bekommt vor allem dann Probleme, wenn sie zu weit nach links oder rechts abrutscht.]

    Hier sind wir uns wohl einig, wenn auch unbeabsichtigt. Das Sie dann allerdings im weiteren Verlauf die Pegida-Bewegung mit einem Zitat Luxemburgs „rechtfertigen“ wollen, gerade in Anbetracht der verbalen und schriftlichen Äußerungen (auf etlichen einschlägigen Foren sowie auf Plakaten und Bannern auf den jeweiligen Umzügen) von Organisatoren, Teilnehmern und Unterstützern erscheint mir reichlich frech und in Anbetracht der Forderung nach „Freiheit für den Andersdenkenden“ auch ein wenig schizophren.

    Und zum Schluß noch dieses Potpourri:
    [Die Definition von Rassismus ist ja ganz grob gesagt die Einteilung von Menschen in welche die mehr Wert sind und welche die weniger Wert sind. Genau eine solche Einteilung (Moslems, Christen, Juden, Götzenanbeter, Ungläubige) und somit gefährliche Ideologie finde ich im Koran.
    Wir haben eine historische Verantwortung gegenüber den hier lebenden Juden! Ich möchte nicht, dass der Antisemitismus importiert wird und wir französische Verhältnisse bekommen.
    Der „Islamische Staat“ und die „Boko Haram“ ist die Ideologie vom Faschismus gespeist aus dem Koran des 7. Jahrhunderts.]

    Boah, wo setzt man hier an?! Ihre (äußerst) grobe Definition von Rassismus lasse ich an dieser Stelle mal gelten. Wie sie von dort jedoch auf DIESE IHRE Einteilung von Menschen im Koran kommen bleibt wohl ihr Geheimniss. Jedoch zeigt sich hier wieder sehr deutlich was passiert wenn Menschen ohne jegliche theologische Bildung in Offenbarungen rumpfuschen und ihr jeweiliges Verständnis der Welt zugrunde legen. Sie beschreiben den „IS“ und die „Boko Haram“ als Surrogat des Koran, verschweigen aber konsequent die Ablehung eben jener Gebilde durch die breite „muslimische Welt“ als auch das friedliche Ausleben dieser Religion durch die absolute Mehrheit der Gläubigen. Das Sie weiterhin Antisemitismus, gerade auch in diesem Land mit dieser Historie (da kann ich mir wirklich nur höchst erregt an den Kopf fassen), als muslimisches Problem beschreiben setzt ihrem Kommentar dann wirklich die Krone auf. Sie wollen keine Französischen Verhältnisse? Dann machen SIe sich endlich grade und weisen auf die wirklichen ideologischen Brandstifter hin und reden ihnen nicht auch noch nach dem Mund.

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