Hört endlich auf mit Rechten zu reden.

Höcke bricht ab, Gauland labert, Meuten spielt den Biedermann, Weidel provoziert. Jedes Interview mit einem AfD-Kader hinterlässt anschließend eine schleimige Spur in den Social Media Kanälen. Wir tun gerade so, als ob hier wirklich etwas Substantielles gesagt worden wäre.

Ich tue es mir schon eine Weile nicht mehr an, Talkshows mit AfD Beteiligung zu schauen. Jede Diskussion mit Rechtsradikalen im TV scheitert aufgrund eines Amalgans aus Whataboutism, verbogenen Wahrheiten, glatten Lügen, Nebelbomben und Provokationen. Wenn es wirklich mal jemandem gelingt diesen argumentativen Pudding an die Wand zu nageln, spielt der Protagonist die beleidigte Leberwurst und zieht ab. Das Nachspiel findet s.o. auf Facebook und Twitter statt.

Liebe Journalisten und Talker, es wird nie passieren, dass ihr einen Rechtspopulisten mit Argumenten zu politischen Themen entzaubert. Der Grund: Die AfD ist bei Interviews mit der ihr so verhassten Systempresse gar nicht daran interessiert einen politischen Standpunkt zu vertreten. Es geht darum unserem politischen System, der liberalen offenen Demokratie, der Presse und allen öffentlichen Organen ein komplettes Versagen zu unterstellen. Es ist egal ob es sich um Flüchtlinge, Diesel, Euro, Klimaschutz oder Überaschungsei-Figuren geht. Es dreht sich immer und ausschließlich darum zu behaupten, dass der Staat sich nicht um seine Bürger kümmern kann. Dass das demokratische System versagt und ergo durch ein anderes Ersatz finden muss. Denn: Es muss sich ja endlich mal was ändern.

Die AfD ist bei Interviews …gar nicht daran interessiert einen politischen Standpunkt zu vertreten. Es geht darum… der liberalen offenen Demokratie..ein komplettes Versagen zu unterstellen.

Schüchtern hinter dem Vorhang lugt schon ein ein autokratisches System ala Putin hervor, in dem sowas wie Bürgerrechte und Pressefreiheit gar nicht mehr vorkommen.

Aber ich schweife ab. Da also die „gesetzten“ Themen bei Anne Will & Co. für die AfD nicht im Mittelpunkt des Interesses stehen, kann asymetrisch argumentiert werden. Das heißt man sucht nicht nach den besseren Argumenten, sondern inszeniert sich selbst. Entweder als jemand der Missstände aufdeckt und „sich was traut“. Oder als symbolisches Opfer, mit dem sich die rechtsextremen Anhänger identifizieren können. Erlaubt ist was gefällt. Am einfachsten ist es den politischen Gegner zu diskreditieren, gern als links- oder rechtsradikal. Oder eine gescheiterte Existenz mit akademischem Titel muss für krude AfD-Theorien gerade stehen. Diese Karte wird beim Thema Klimaschutz gern gezogen.

Da die AfD ihr Potential ausgeschöpft hat, ist sie nicht mehr darauf angewiesen verirrte CDU-Anhänger einzufangen. Die kommunikative Strategie besteht jetzt darin mit einer steigenden Radikalität und Daueralarmismus das eigene Klientel im Stil einer Sekte an sich binden und den Hysterielevel möglichst hoch zu halten.

Die letzten Landtagswahlen haben bewiesen, dass das auch sehr gut gelingt.

Deshalb liebe Journalisten und Talkshowmatadore verzichtet auf die Quotenbringer und Schreihälse. Macht euren Job und nennt das Kind beim Namen. Haltet den rechten Shitstorm aus, den eine solche Entscheidung mit sich bringt. Die Jauche wird so oder so über euch ausgeschüttet, aber ihr müsst euch wenigstens die Interviews nicht mehr antun.

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