NoPegida Diaries Pt.3 – Jetzt war auch noch der Bachmann da!

media.media.ed251d7d-0c27-4ed9-9ebf-58b97899756e.normalized
Foto: Südkurier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es wird langsam ungemütlich in der Komfortzone oder wie meinte es der ältere Herr am NoPegida Infostand “Warum muß denn der Seckel grade zu uns kommen?” Die Anwort darauf liegt leider auf der Hand. Man erinnere sich an den das 1979 erworbene Stadtrat-Abo von H. Schützinger (NPD/DLVH). Man erinnere sich an die NDP-Parteitage 1984 in der alten Tonhalle oder 1989 im Theater am Ring als Polizisten den Funktionären den Weg frei knüppeln mussten.  Man erinnere sich die Disco in der Alleenstraße, die Anfang der 90er Jahre ein beliebtes Skinhead Domizil war. Man beachte das ängstliche Zurückzucken einiger bürgerlicher Parteien bei den “Stolperstein” Diskussionen 2004 und 2014. Man beachte das ungefilterte sofortige Durchwinken von zwei AfD-Mitgliedern in den Stadtradt 2014. Na ja – obwohl – einer der beiden Stadträte hat dann doch blitzgemerkt, dass die AfD rechtsextrem ist und ist bei der FPD untergeschlüpft.

media.media.bf7c7e55-6099-41d1-abac-9702ccbdb329.normalized

 

 

 

 

 

 

 

 

Lutz Bachmann war noch im Januar der Popstar der Unzufriedenen, Islamopfern-in-spe und Zukurzgekommenen. Seinen Live-Hasstiraden folgten bis zu 25.000 Menschen.  Aber bereits beim Höhepunkt der Pegida-Bewegung, der Diskussion bei Günther Jauch, wollte man den vorbestraften ehemaligen Bratwurstverkäufer schon nicht mehr als prolliges Aushängeschild vorzeigen. Sein Auftritt in Villingen erinnerte an die Gigs von abgehalfterten Schlagerstars in Bierzelten oder auf Betriebsfesten. Man wärmt alte Zeiten auf (auch wenn die gerade mal drei Monate her sind) und für Villingen reichts doch allemal.  Und seine alten Hits, die 19 Pegida Thesen, eine krude Mischung aus Halbwahrheiten, Forderungen nach bereits Bestehendem und scheinheiligen Bekenntnissen, die nichts mit der Pegida Wirklichkeit zu tun haben, kommen in der Provinz, vor nicht mal einem Hundertsel der berüchtigten Dresdner Spaziergänger immer noch gut an.

Ich will mit dem dritten Teil, die NoPegida Diaries nun einstellen, um mich wieder um die Plaste-Kernkompetenzen zu kümmern: Also Artikel,  die keiner liest über Bücher und Platten zu schreiben, die keinen interessieren.  Nicht weil der Spuck rum ist, sondern weil ich schon alles gesagt habe, was in in einem kleinen Kulturblog zu sagen ist. Zwei Gedanken zu Abschluß seien mir noch vergönnt, auch wenn ich mich wiederhole.

Pegadisten, oder wie ihr heißt: Ja, die Welt ist ungerecht.  Ja, nicht alle unsere Träume werden wahr. Ja, vielleicht war sogar früher alles besser, als ihr noch jung und schön ward.  Ja, die Welt ist viel zu kompliziert, das fängt schon bei den Smartphonetarifen an.  Ja, gut und böse sind nicht mehr leicht zu unterscheiden. Aber das ist kein Grund sich eigene Wirklichkeiten und eine Welt widewide-wie-sie-mir-gefällt zu erschaffen und mit Halbwahrheiten zusammenzukleben.  Aber das ist kein Grund Menschen am anderen Ende der Welt zu hassen und sie lieber  in Bürgerkriegen oder auf dem Meer verrecken zu lassen, als Ihnen zu helfen. Und das ist auch kein Grund,  mit dummperfider  Brachialrhetorik, den Opfern des islamischen Terrors zu auch noch unterstellen, dass sie das Ziel verfolgen, genau diesen Terror vor dem sie fliehen. wie ein Virus zu uns zu tragen.  Kurz gesagt: All euer empfundenes Elend ist kein Grund, die Schuld einfach bei anderen zu suchen. Und diese dann noch zu abzustrafen, nur damit ihr euch ein bißchen besser fühlt.

Liebe Stadträte und Bürger, jetzt rumzumummeln und darauf hoffen, dass Pegisten und AfDer wieder in ihre dumpfen nikotingelben Höhlen zurückkriechen, ist illusorisch. Zum 17.05. hat die Pegida schon parallel zum Villinger Frühlingsfest eine “ganz besondere Demo” angekündigt. Als ob die ganze Truppe nicht schon “besonders” genug wäre. Es macht auch für die demokratischen Parteien keinen Sinn sich selbst zu Provinzpopulisten und Wutbürgerverstehern aufzubrezeln (Remember: Stolpersteindebatte). Also liebe Bürger, Parteien (incl. und vor allem Freie Wähler) und Stadträte, hier geht es nicht darum zu entscheiden in welcher Farbe ein öffentliches Scheißhaus gestrichen wird, sondern um zukünftiges Lebensgefühl und Wohlfühlniveau in unserer Stadt. Zeigt einfach mal Rückgrat und Charakter zeigt wofür ihr steht und wo ihr eure Stadt sehen wollt. Unser Oberbürgermeister hatte immerhin schonmal den Mum Don-Quijottemässig eine Pegida Kundgebung zu verbieten und musste sich dafür von dem Mob vollpöbeln lassen. Es gibt keine Geheimrezepte um VS bunt und Tolerant machen und einfach wird es sicher auch nicht sein.  Aber es lohnt sich jetzt  vom Sofa aufzustehen!

Lesen Sie auch

Woanders is auch Scheiße. Warum es sich lohnt in VS zu leben.

NoPegida Diaries Pt.1

NoPegida Diaries Pt.2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Please follow & like us :)

RSS
Follow by Email
Facebook
Twitter
Visit Us
INSTAGRAM

Themen

Kommentare

Google Analytics