Gefährliche Bürger – The Spießer Strikes Back!

Gefährliche Bürger, Liane Bednarz, Christop Giesa

Plaste hat das Buch „Gefährliche Bürger“ von Liane Bednarz und Christoph Giesa für Euch gelesen.

Fast täglich erleben wir in Zusammenhang mit der AfD und anderen rechtsextremen Gruppierungen neue Verwerfungen.

 Liane  Bednarz und Christoph Giease  haben über die neue Rechte ein Buch geschrieben, das seine Stärken in der Bestandsaufnahme und Analyse der langfristigen Ziele, der Strategie aber auch in ersten Skizzen der  „gefährlichen Bürger“ selbst hat. Aber schauen wir es uns doch mal genauer an. ACHTUNG TRIGGERWARNUNG – ein bißchen gruselig ist es schon.

Ziele

Da die AfD vor dem Einzug in drei Landesparlamente steht, fragt man sich: Was wollen die überhaupt?  Wobei interessanterweise nur ein Bruchteil der Wähler der AfD überhaupt Problemlösungskompetenz zutraut.

Das Buch bietet eine kluge Beschreibung der „neue Rechten“. Die Generation die sich nach der Finanzkrise formierte, träumt von einem autoritären Staat, der sich national und völkisch orientiert. Der rechte Wertekontext verachtet den Liberalismus, auch weil dieser auf ein stures Freund-Feind Schema verzichtet, was es wiederum so schwer macht Feindbilder (die kann man immer brauchen um vom eigenen Unvermögen abzulenken) aufzubauen.

Vorbilder für die Philosophie  der neuen Rechten finden sich auch den 1920er Jahren, z.B. bei Arthur Moeller von den Bruck, der als einer Vordenker der Nazis gilt. Allerdings darf man die Nazikeule gern stecken lassen. Was Leute wie Alexander Gauland anstreben ist weniger der klassische Faschismus ala 20 Jahrhundert sondern ein autoritärer, antiliberaler. nationalistischer Staat. Hier soll  im Bismarckschen oder Putinschen Sinn ohne nennenswerte Opposition und Presselandschaft durchregiert werden, immer begleitet vom krautwurstigen Mief der fünfziger Jahre. So schwadronierte Gauland bereits 2002  von der Wiederkehr einer “Elite, die die Themen und Kanon …und die spätbürgerliche Gesellschaft der Nachkriegszeit bestimmt hat” Das Buch erschien im August 2015 und konnte die rassistische-rechtsextreme Entwicklung der AfD in den letzten Monaten allerdings nicht mehr berücksichtigen.

Die Strategie

Da die neue Rechte nicht mit einer Machtübernahme rechnet oder rechnen kann, gilt es montan die Handlungsunfähigkeit des Staates unter Beweis zu stellen. Ihn im ersten Schritt selbst dazu zu nötigen autoritäre Strukturen zu entwickeln. Vorbild dabei  ist die amerikanische “Tea Party Movement”, die es 2013 durch die Blockade des Haushalts schaffte den Government Shut Down herbeizuführen. Museen und Bücherein blieben tagelang geschlossen. Das Vertrauen der Bürger in den Staat bekam Kratzer.

Diese  Rechnung  ging auch in Deutschland  nach den Übergriffen in der Sylvesternacht komplett auf. Selbst Heiko Mass sprach von einem “Zivilisationsbruch” und die gesamte CSU atmet seitdem geschlossen in eine Plastiktüte, um von ihrer Dauerhyperventilisation wieder runter zukommen. In diesem Moment gewann die “neue Rechte” die faktische Deutungshoheit und Meinungsführerschaft über das Thema  Flüchtlinge und konnte unsere Regierung (+Opposition + Presse) wie eine Sau durchs Dorf jagen. Bingo.

Ich versuche mich manchmal mit meinem Zweitaccount in der hohen Kunst der Counter-Speech. Auf Facebook sah ich mich nach Sylvester  u.a. ernsthaften Diskussion darüber konfrontiert, ob man nicht das großzügige Angebot der Red Devils Rocker annehmen sollte, unsere Frauen zu beschützen.  Weil “die Polizei uns nicht schützen kann” war man plötzlich bereit sich einer Vereinigung, die im Rot Licht Milieu (auf deutsch Zuhälterei)  unterwegs ist und vom Verfassungsschutz überwacht wird, anvertrauen.  

Die strategischen Einfallstore in die Köpfe der Menschen sind momentan natürlich Flüchtlinge, Merkel, Flüchtlinge, Merkel,  Flüchtlinge.  Davor waren es die EU, der Euro, die Energiewende, alles was mit der USA zu tun hat und besonders perfide, die Inklusion von Behinderten. AfD Bundessprecher Konrad Adam äußerte sich in der Welt abfällig über Behinderte, “die es als ihr gottgewolltes Recht betrachten, davon zu leben was andere für sie aufbringen”

Die aktuelle Situation, vor allem die Übergriffe in Köln an Sylvester treibt der AfD natürlich die Wähler der rechten Rands in die offenen Arme. Bednarz und Giease erläutern jedoch im Buch das langfristige Vorgehen der Rechten. Demnach kopierte die “neue Rechte” eine klassische Strategie von Sektenführern. D.h. den Leuten über ein eigenes Mediennetz (Kopp-Verlag, Compact, etc. ) erst einmal einzureden, die Welt sei verkommen und schlecht. Alles was in der Presse steht sei gelogen und von der Regierung gesteuert. Diese wiederum ist nur ein der Büttel der USA oder der EU, in einschlägigen Foren auch gern EUdSSR genannt. Wer dann soweit von der Realität isoliert ist, ist  darf sich gern dem autoritären Ansatz von Putins Russland als Gegenpol und Hort der Freiheit zu nähern. Einem Land das in der Rangliste der Pressefreiheit immerhin auf einem geilen Platz 152 steht. Und lt. Lügenpresse auch gern mal einen Dissidenten über die Klinge springen lässt.

Dies fühlt. sich beim Lesen des Buchs fast wie ein linke Verschwörungstheorie an. Bei der Demonstration von russisch stämmigen Bürgern am 24. Januar, wegen der vermeintlichen Vergewaltigung einer Mädchens durch Migranten, erklomm jedoch in Villingen der AfD Landtagskandidat und Bundesvorsitzende der Jungen Alternative das Podium um sich an die russische Gemeinde ranzuwanzen.  Die Russen entzogen ihm das Mikro zwar wieder, aber der Vorfall zeigt deutlich wo Allianzen geschmiedet werden (wollen).

 Die Zielgruppe

Frei nach dem heiligen Vater-Unser der Gebrauchtwagenhändler “Jeden Morgen steht ein Dummer auf” muss jede Saat auch einmal auf einem fruchtbaren Boden fallen um aufzugehen. Das Buch, das immerhin schon vier Monate auf dem Buckel hat, kann dieses Thema nur streifen, schildert allerdings die Reaktion der Online-Redaktionen auf viele Hass-Post und -Mails. Bei dem Gedanken, was für dumme Gesichter einige Hasser gemacht haben, als Zeit Redakteur Stefan Willke plötzlich vor ihrer Tür stand musste ich grinsen. Der persönlichen Besuch bei Hass-Postern könnte auch ein schönes RTL Reality-TV Format abgeben.

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Seltsame Wähler: 12% der Hessen würden die AfD wählen, zutrauen tun sie ihr aber nichts.

Wir wissen inzwischen dass sich das AfD Klientel  schwerpunktmäßig aus Männern zwischen 45-60 Jahren mit mittlerer Ausbildung und Einkommen zusammensetzt.. Es ist das Alter in dem man als Zielgruppe aus der Konsumwerbung fällt, und vielleicht registriert, dass im Leben nicht mehr soviel Neues kommt. Vielleicht steckt hinter der Sehnsucht nach dem Zusammenbruch eigentlich eine Sehnsucht nach einem Heroismus. Sich einmal wie ein Revolutionär zu fühlen, einmal auf den Tisch zu hauen und einmal das zu sagen was man ja wohl noch sagen darf. Zudem nutzt die neurechte Szene an vielen Stellen die Komplexität von Sachverhalten, die Verkürzung der Berichterstattung und die Verweigerung der Zielgruppe sich intensiv mit wichtigen Fragen beschäften.

Für eine zusätzliche Radikalisierung  sorgt der sog. Facebook-Filterblaseneffekt. Man bewegt sich ständig in der gleichen Brühe, den gleichen Foren und in der ständigen Suche nach Bestätigung der eigenen negativen Emotionen, verkapselt sich in der eigenen Welt und klopft sich gegenseitig auf die Schulter.

Liebe Freunde, Plaste sagts euch jetzt exclusiv. Es handelt sich bei den AfD Wählern und Hass-Postern schlicht und einfach um die Wiedergänger des deutschen Spießers. Eigentlich klassisches CDU-Stimmvieh, das in seiner diffusen Unzufriedenheit Zuflucht bei einer rechtsextremen und antiliberalen Partei sucht, die ihm seine Welt erklärt und ihm eine gern geglaubte warmgepupste nationale Utopie vorlügt..

 


 

Gefährliche Bürger im Kurzcheck.

Welche Stärken hat das Buch?

Es liefert eine präzise Analyse der neurechten Szene, die sich ca. 2010 nach der Finanzkrise formierte. Mit der im Buch geschilderten Strategie lässt sich auch sehr gut das aktuelle Vorgehen der AfD erklären.

 Welche Schwächen hat das Buch?

Ein komplette Beschreibung des Phänomens lässt sich natürlich nicht während des Prozesses geben. Das Buch ist übrigens im August 2015 erschienen, also kurz vor der großen Flüchtlingswelle und der zunehmenden Radikalisierung der AfD.

 Wo irrt das Buch?

Es werden u.a. die Tarnmechanismen der Neurechten beschrieben. Diese haben Höcke & Co. inzwischen komplett fallen gelassen.

Macht es Spaß das Buch zu lesen?

Nein, vor allem nach der Hetze, die nach Sylvester im Netz stattgefunden hat, macht es keinen Spaß sich auch noch dem strategischen Unterbau zu beschäftigen und zu beobachten wie die Saat täglich aufgeht.

Wie fühlt man sich beim Lesen?

Ich kam mir manchmal vor wie ein Kopp-Verlag Leser, der sich mit Verschwörungstheorien über Chemtrails oder Reptiloiden etc. konfrontiert sieht. Leider passen die die Analysen von  Bednarz und Gisea bedrückend zur Realität.

 Noch eine Empfehlung?

Liebe Ehefrauen, wenn ihr merkt, dass euer Mann “komisch” wird. Also noch “komischer” als sonst, den ganzen Abend vor Facebook sitzt, was vom Bürgerkrieg und dem Diktator Merkel schwafelt. Dann nehmt ihm bitte seinen PC weg, geht mal wieder spazieren, auch Sex ist eine nette Abwechslung. Und bitte besteht auf Briefwahl bei den nächsten Wahlen.


 

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