John Lydon: Anger is an Energy –
The King is gone but he’s not forgotten, this is ….

John Lydon Anger is an Engery

Vorab ein Spoiler. Sid Vicious das Über-Role-Model für alle Fußgängerzonenpunks der 80er und 90er Jahr in all seiner schluffigen Grandezza, hat seine Trademark Stachelfrisur wie gestylt?  Na, er hat seinen Kopf einfach in einen heißen Herd gesteckt!  Warum? Weil er es nicht besser wußte, hat aber funktioniert.

John Lydon Anger is an Engery Promi-Biografien sind eine ambivalente Angelegenheit.  Von Ghostwritern mit geistigem Botox aufgebrezelt, können sie selten die gähnende Ödnis hinter den langweiligen Charakterfassaden touchieren. Ich mag mir nicht ausmalen,  die aktuelle Biografie der Lumpfpumpe Thomas Gottschalk oder gar von Margot Käßmann zu goutieren.

John Lydon Anger is an Engery Das ist bei John Lydon anders, dem trauen wir gern einen echten Charakter und ein paar interessante Geschichten zu. Schließlich war er der Hauptakteur, als letztmalig in der Weltgeschichte Popmusik gesellschaftliche und politische Relevaz besaß. Und wirklich – Lydon alias Johnny Rotten braucht keinen Ghostwriter, braucht keine Manuskripte, braucht keine Struktur, braucht keine Aufzeichnungen, keine Recherche – er braucht nur Johnny Rotten um 600 Seiten Autobiographie vollzuschreiben. “Anger is an Energy” ist kein Geschichtsbuch über Punk, es ist der Rückblick eines 59-jährigen auf sein Leben, so wie er es halt gesehen hat. Und so eingefärbt wie die eigene Geschichte im Rückblick nunmal ist, so ehrlich ist er auch dabei. Wobei sich seine Lebensgeschichte um zwei Fixpunkte rankt. Zum einen um eine überstandene Meningitis im Alter von 8 Jahren, nach der er erst wieder Sprechen lernen musste.

John Lydon Anger is an Engery Und zum anderen natürlich jener 1. Dezember 1976 in der Bill Grundy Show. Die Pistols  hatten kurz zuvor ihre erste Single veröffentlicht und Queen (die Band) waren leider für die Nachmittagsshow von Bill Grundy unpässlich. Also lud man die Sex Pistols als neuen “heißen Scheiss” ein und der sturzbesoffene Grundy provozierte die Band zu megaobszönen Ausdrücken wie “Schuft”, “Drecksack” oder “Scheisse”. Bei diesem Krawallniveau würde sich der zeitgenössische RTL-Zombie nicht mal nachdenklich am Sack kratzen. Die Medienhetze 1976 war jedoch so enorm, dass Rotten sogar von Hooligans mit Messern angegriffen wurde. Der mediale Rummel schwappte sogar nach Deutschland, wo ich mich über die Pop Seite der  “Hör Zu”  musikalisch auf dem laufenden hielt. Die kleinen wöchentlichen Meldungen über die Sex Pistols (und natürlich auch der Name der Band), machten mich zum staunenden pubertierenden Bewunderer, bevor ich überhaupt nur einen Ton der Musik gehört hatte. Ehrlich gesagt waren aber auch Kiss auf ähnliche Weise faszinierend.  Den ersten Song der Sex Pistols durfte ich übrigens in einer Pop Sendung in Bayern 3 hören. Präsentiert von Radiomoderator call-him-godfather-of-punk Thomas Gottschalk.

John Lydon Anger is an Engery

Lydon beschreibt die Zeit nach der Show als fast traumatisch. Ein Spießrutenlauf zwischen der Boulevard-Presse und dem Größenwahn von Manager Malcom McLaren. Das absolut herrliche am  Buch ist immer die Schilderung der Person John Lydons im Zentrum des Universums von Johns Lydon. Mit seinem bissigen Humor und altväterlicher Besserwisserei zerlegt er sein Umfeld. Joe Strummer war für ihn lediglich ein politischer Poser ohne Substanz.  Der Rest der untalentierten Pistols hat nie verstanden um was es eigentlich ging, außer vielleicht Sid Vicious, der war zwar nicht sehr helle hatte aber immerhin Humor (und eine klasse Frisur s.o.).  Malcom McLaren war ein Hippie-Weichei und wir erfahren, das die Klamotten von Punk Designerin Vivienne Westwood beim Waschen auseinandergefallen sind.

vivienne Westwood, malcom mclaren. John Lydon Anger is an Engery
Vivienne und Malcom. Sie kann nicht nähen und er gar nicht mal das.

Lydon nimmt uns mit ins Reich der Alltagsprobleme, die eine Punke Ikone halt so hat. Viel in seiner Biografie dreht sich um sein Wertesystem: Toleranz, Humanität, Johnny Rotten, Humor, sich selbst, sich selbst nicht so ernst nehmen und vor allem sein Ding machen auch wenn die Arschlöcher drumrum permanent nerven. Dazu gehört eben auch in Pinnocchio Anzügen aufzutreten, oder das Dschungel-Camp bzw. Butterwerbung in Würde zu bestreiten.  Ich will hier nicht zuviel spoilern, aber eines sei noch verraten, was glaubt ihr hat er als Sex Pistol, Schocker des Hauses Windsor und der westlichen Welt getrunken? 100% Wodka mit Kieselsteinen? Selbstgebrauten Kartoffelschnaps mit Salzsäure? Nein der Herr bevorzugte “Liebfrauenmilch” einen lieblichen Wein der in Rheinhessen angebaut wird, um sich den Globus zu fluten.

Muss man das Buch lesen?

Unbedingt, wenn man über die Pop-Seite der “Hör Zu” mit Punk sozialisiert wurde. Metallica Fans empfehle ich eher  Ratgeberbücher von Eckart. v. Hirschhausen

 Hat das Buch auch einen pädagogischen Wert?

Man kann es getrost seinen Kindern in die Hand drücken, denn Lydon gibt auch Tipps zur Zahnpflege.

Ist “Anger is an Energy” ein Standardwerk über den englischen Punk?

Nein, das bleibt “England’s Dreaming” von Jon Savage, das Lydon übrigens total Scheisse findet, weil er sich selbst nicht im richtigen Licht wiederfindet. Trotzdem vermittelt “Anger is an Energy” mehr über die Philosophie von Punk als sämtliche Hardcore Playlists auf Spotify.

Muß man seine Musik hören?

Die Sex Pistols sind auch heute noch ein guter Soundtrack für die Pubertät. Ansonsten die ersten drei Public Image Ltd. Alben. Der Rest passt auf ein C10 Mixtape.

Möchte man John Lydon nach der Lektüre seines Buchs gern persönlich treffen?

Ja, unbedingt in einer Kneipe. Er ist einer der Typen, die dir sicher den ganzen Abend die Ohren volllabern, die Kippen wegrauchen, über jeden Gast verschärft ablästern, dich köstlich unterhalten  und am Schluß deine Getränke bezahlen.

Auch gern gelesen

Bericht über die Public Image Ltd. Reunion – hier bei Plaste

Auch gern gehört

Das Plaste John Lydon/ Public Image Ltd. Mixtape

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