Daily Trash: Wahrheiten von Männern im Feinripp.

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Fanzines sind so alt wie die Popkultur selbst. In den sechzigern wurden die ersten Fan-Magazins von Beatles- und Stones-Fanclubs herausgegeben. Im  Punk- und Postpunkzeitalter Ende der siebziger und in den achtzigern dienten sie dem Infoaustausch innerhalb regionaler oder überregionaler Szenen. Fanzines waren ein Basismedium in der Kommunikation der Subkultur in der Prä-Facebook Ära.

So konnte eben auch der Nagolder erfahren, was alles in Schaffhausen, VS oder Tübingen geboten war. Die Themen drehten sich um Hippie-Bashing, Konzertberichte (meistens verbunden mit abenteuerlichen Anfahrten, also zu siebt in einem VW-Variant, das Jugendzentrum nicht gefunden, die Vorbands verpasst, dann vom vielen Tankstellenbier total besoffen ins JZ einlaufen, noch ein bißchen was mitkriegen,die Nacht auf dem Betonboden eines Partykellers verbringen, neue Freunde zu gewinnen und die Freundin verlieren), Hippie-Witzen, Kassettenbesprechungen (Cassetten waren das Filesharing der Prä-Spotify Ära) und Hippie-Beleidigungen. Ja, ja die Welt war aufregend und überschaubar in der großen Zeit der Fanzines. Die Zines: schockgefrostete Bestandsaufnahmen, grell beleuchtete große Momente von kleinen Szenen in kleinen Städten.

Lange Haare Kurzer Verstand

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Auch ein VS-Produkt: Tom Edelhubers F.R.O.N.T. von 1983

Ordentliche Jugendkulturen zeichnen sich durch eigene Codes und der damit verbundenen Abgrenzung aus. Das heißt, 1. Keiner über 30 versteht warum die so sind wie sie sind und warum sie das tun was sie tun. 2. Noch wichtiger: Für alle Außenstehenden sehen immer Alle gleich aus.  Diese Werte zu leben ist zentrale Aufgabe eines Fanzines. Denn KAUFEN  kann es jeder, um es zu verstehen mußt Du DAZUGEHÖREN.

Diese kleine Einführung war vorab nötig bevor wir „Daily Trash“, die  erste VS-Fanzine Veröffentlichung seit 1988 aufschlagen wollen.  Und natürlich möchte der Plaste-Blog seine pädagogische Mission wahrnehmen  und überprüfen ob DT seinen jugend-  popkulturellen Auftrag erfüllt hat

Ist Trash der neue Punk?

Einer der thematischen Schwerpunkt sind drei Besprechungen von Trash-Filmen, einer davon mit Porno-Kontext. Gute Texte und zum Glück nicht mit 90er-Jahre- Gänsefüßchen- (Jetzt bitte Zeige- und Mittelfinger der beiden Hände knicken) Ironie versehen. Aber an diesem Punkt frage ich mich natürlich: Stehen die jetzt wirklich auf Trash-Filme? Wie meinen die das? Ist das eine Kritik? ODER verstehe ich den Kontext womöglich nicht. Aus letzterem Grund verteile ich hier die vollen 10 Punkte für die jugendkulturelle Abgrenzung gegen das Altsacktum.

Die sehn ja alle gleich aus

BoarderUnd gleich nochmal 10 Punkte für popkulturelle Diversifikation. Alle Kolumnisten tragen Hüte und Feinripp-Unterhemden. Ach ja da gibt’s ja noch die hippe Band die immer im  Villinger K3 spielt. Und tragen nicht viele der jungen Leute in den Fußgängerzonenen auch….?  Zuletzt wurden Ripp-Unterhemden bei den Sopranos mit soviel Coolness getragen. Wo kriegt man die Dinger eigentlich her?

Die Texte und Beiträge  in Daily Trash sind ansonsten immer lesenswert. Die Phrasenmaschine bleibt ausgeschaltet und geschrieben wird so wie Punkmusik komponiert wird.  Aus dem Bauch, mit Humor, ohne Geschwurbel und Studienratsattitüden. Nur einmal ganz kurz wurde ich ein wenig zappelig, nämlich bei der zarten Kritik an den Altvorderen in „Wenn die Redakteure „FUCK YOU“ sagen“. Da hätte ich mir doch eine Archversohlung gewünscht. Warum? Einfach so, die werden schon wissen warum.  Aber ja, dieser Wunsch ist dann doch zu 80er Jahre mässig und dass die Generation der 10er Jahre in Sachen soziale Kompetenz mehr drauf hat, hatte ich ja bereits in diesem Blog erarbeitet.  Und spätestens bei den Bastelanleitungen freue ich mich und rufe ganz laut „ Das kenne ich das gabs früher auch schon“. Haha.

Fazit: Ich will mehr Ausgaben von Daily Trash. Ich will mehr Fanzines in unserer Stadt. Ich will mehr junge Leute, die Unterhemden tragen und unserer kleinen Gemeinde am Rande des Schwarzwalds und des Wahnsinns kulturelle Kicks verpassen (Wenn nötig auch in den Arsch.).

Das Fanzine kann  bei Soundservice gekauft werden.

 

 

 

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