Listen, Listen, Listen, Pt 01 – Die Alben 2013

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Arcade Fire – Reflektor

arcade firePlatte des Jahres, weil  hier eine Band, die ganz ganz oben angekommen ist (und aus der geheimnisumwitterten Indie-Welt kommt)  nicht just in dem Moment kreativ abkackt (vgl. R.E.M.), Stadionrock produziert (vgl. U2) oder gleich beides zelebriert (vgl. The Killers). Arcade Fire haben sich James Murphy gekrallt. Der sorgt dafür, dass sie nun durch in Doppelalbum grooven, was dem Songwriting von Win Butler, der seine Stück gern etwas religiös gospelmässig aufbaut gut tut und den Tracks die nötige Spannung gib. Fazit: Ansonsten einfach Melodien für Millionen (zumindest vom Potential). Und somit ist Reflektor im Wahren Leben genau das, was „Random Access Memorey“ eigentlich sein wollte. Ein Anwärter auf ein Klassiker.

 

Burial – Truant/ Rough Sleeper

burialBurial hat sich bereits vor vier Jahren von dem, im digitalen Zeitalter überkommenen Albumformat verabschiedet und veröffentlicht seitdem jedes Jahr eine EP.  Auch das Songformat hat er für sich begraben (..blöder Wortwitz, sorry).  Truant enthält zwei 15minütige Tracks: sepiafarbene Post-Dubstep Hörspiele. Hörspiele die Bilder einer melancholischen valiumsüchtigen Schimpansenherde in Staubmänteln hervorruft, die durch eine art postapokalyptisches Las Vegas streifen auf der Suche Elvis-Presley Flippern und Liebe. Früher gabe es für sowas das schöne Wort „Kopfkino“.

 

Vampire Weekend – Modern Vampires in The City

vampireVampire Weekend haben alles erreicht, wonach Bands wie The Feelies, The Modern Lovers, Prefab Sprout immer strebten, woran sie aber ihrer aufgrund der einprogrammierten Nerdigkeit scheitern mussten. Ein perfektes sonnendurchflutetes durchkonstruiertes zuende gedachtes Popalbum. Dem man das alles natürlich überhaupt nicht anmerkt. In diesem Sinne (also im Sinne von Leichtigkeit hinter der bestimmte harte Arbeit steckt) das beste Popprodukt seit Thomas Gottschalks Moderation von „Wetten dass“ in den frühen Neunziger. „Modern Vampires in The City“ durfte in den USA verdientermaßen auch die Billboard Charts anführen.

Der Großes-Kino—Sonderpreis

Daft Punk – Random Access Memory

daftDaft Punk feierten dieses Jahr das Revival der Platte als DAS Große Ding, damit meine ich nicht das Marketing-Klimbim, sondern wirklich das Produkt selbst. Seine Bestandteile:

  • Die Marke Daft Punk selbst ist aufgeladen mit einer Reihe von tollen aber dem Mainstream völlig unbekannter Album (Der Auskenner-Geheimtipp).
  • Das Glamige-Mopedfahrer Outfit, sichert zum einen den Markenkern und lässt etwas von den großen verlorenen gegangenen Geheimnissen des Pops durchscheinen. (vgl. Kiss).
  • Die Doppel-LP Laufzeit (vgl. Exile on Mainstreet, London Calling, Songs in the Key of Live).
  • Der Überhit „Get Lucky“ als konsensstiftender Verkaufsmotor.
  • Eine Reihe von echten Füllern (Braucht man einfach um die 80 Min. vollzukriegen, an denen mußte man sich in vordigitalen Zeiten noch abarbeiten, bzw. konnte man die Zeit nutzen sich auf den nächsten Killer zu freuen).
  • Viele beliebte Stars aus der Welt des Pop, die verschiedenste Marktsegmente bedienen und alle gern mitgemacht haben (vgl. Filme von Robert Altmann).  D
  • das ein bißchen verrückte Teil, das zu lang für einen Hit ist aber irgendwie doch ein Bringer ist und mal was anderes. (Giorgo for Moroder).

Zum richtigen Klassiker fehlt nur noch ein Jazz-Rock Experiment, ein Duett mit Bruce Springsteen und fürs deutsche Mainstreampublikum irgendwas mit Till Schweiger

 

Mainstream-Deutschrock-Spezialpreis

Casper – Hinterland

casperNa ja als Betreiber eines kulturellen Gourmet-Blogs fällt mir das jetzt schon ein bißchen schwer, aber das ist das gleiche wie Curry-Wurst mit Pommes essen. Man muß auch mal den Fuß von der Spaßbremse nehmen können. Und wie bei der Curry Wurst besteht Hinterland nur aus Zutaten die schmecken, aber gefühlt niemals gesund sein können. Casper holt sich die beliebtesten Deutschrocktextfbausteine  und versucht damit irgendwie nicht weniger als das Leben zu skizzieren und Weisheiten am Fließband zu produzieren. Die Musik bleibt immer druck- und melodiebetont (Und genau dafür würden Typen wie Campiono, Marius Müller Westernhagen wahrscheinlich die ganzen 80er Jahre verkaufen) Und wenns an den Refrain geht wird alles ausgepackt was nicht bei 10 auf den Bäumen ist. Springsteen-Klavier, Gitarren, Bass, Gesang, irgendwas elektronisches und obendrauf noch einen fetter Chor gallopieren dann durch die Prärie. Gefangene werden keine gemacht. Der Stoff aus dem die Heavy Rotation gemacht ist.

 

The Knife – Shaking The Habitual

knfieDer Gewinner der beliebten Rubrik  „das interessante Album“, das sich der Hörer  erarbeiten muss. The Knife verweigern sich großteils den Songstrukturen und schaffen auf ihrem Album eine eigene künstliche Welt. Diese Welt ist asynchron, schmerzhaft und durchwirkt von einer extrem verzerrten Ethno Pagina. Der Soundtrack für den Besuch in nordkoreanischen Kühlhäusern. Nur 10 Menschen auf unserem Globus haben es bisher geschafft das ganze Album am Stück zu hören. Der Versuch lohnt trotzdem.

Honarable Mention

Jon Hopkins – Immunity

Warme sich analog anfühlende Elektronik. Wäre der geeignete Soundtrack für Gravity

Nick Cave – Push the Sky Away

Nachdem Cave mit Grinderman immer mal gern Alte-Säcke Themen besungen hatte, legt es mit Push the Sky Away ein richtiges Alterswerk vor. Majestätisch, ruhig und geschlossen. Die Jahrgänge 1960- 1965 können sich aufs Altern mit Nick Cave freuen.

Darkside – Psychic

Blöd ist nur der Bandname, der sich konstruiert anfühlt. Erinnert doch die Musik so schwer an Pink Floyd zu den besten Zeiten, die sie in der Form nie hatten.

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