Jahresrückblick 2013 Vol. 1 mit den Tocos, dem Heino und Rainer B.

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein stellungnehmendes Interview mit Buchautor Simon Reynolds (Retromania, Rip it up) zum Thema „Retromania“ stehen aber für so einen kleinen Blog wie den unsrigen, ist es doch wohl nicht so leicht Antworten auf neunmalkluge Fragen zu bekommen (Dazu aber mehr in einem der folgenden Beiträge).  Um trotzdem etwas Spektakuläres zu tun, startet die Plaste hier nun den ersten Jahresrückblick 2013 auf der ganzen Welt.

Geprägt waren die ersten Wochen des Jahresvon einem Information Overload zum neuen Tocotronic  Album. Ich kann mich nicht erinneren, wann das Erscheinen eines Pop Albums jemals für ein solches Blätterrauschen gesorgt hat.  Ich kann phantasieren, dass das vielleicht früher bei den Beatles so wahr,  sicherlich zuletzt bei Sergant Pepper, schon allein wegen des lustigen Covers mit den vielen Typen drauf. Wobei hier nicht nur die Musikpresse und das Feuilleton gemeint, sondern eine journalistische Infomasse, die  bis auf die Kulturseiten der Schwäbischen Zeitung wabbert und dort neben Rezessionen von Bands die Rockklassiker auf schwäbisch covern zu stehen kommt.  Nicht dass sich die Berichterstattung in den einzelnen Medien hier irgendwie unterscheidet, die Geschichte  von der Metamorphose der  Adidasjackenschlackse bis zum leicht ergrauten Kulturgut wird gleichmässig wohlwollend abgefeiert. Und obwohl es jetzt wirklich überfällig wäre und wie ein überreifer Apfel am Baum hängt, hat sich noch keiner erbarmt das neue Album einfach mal nach Strich und Faden zu verreissen. Da könnte man vielleicht mal hinterfragen, was die Texte eigentlich so sollen, die eh keiner kapiert, die zur Schau gestellte Kunstkackenähe, die komischen Aufkleber in der Luxus-Ausgabe der CD kurz die die exaltierte Künstlerschrulligkeit, das  störrische Verharren zwei Meter vor der Eingangstür zu „Wetten Dass?“

 

Die Anwort liefert HEINO:  Er covert, in einem Anfall von Alterswirrsinn und Opfer besoffener PR-Berater den beliebtesten Seich der deutschen Pop-Chartsverschmutzer. Also nochmal, obwohl sich das ja irgendwie witzig anhört und

Heino-Fotos kommen mir nicht auf den Blog. Lieber noch ein Toco-Bildchen

ein dankbares Thema ist, hat jemand wie Heino natürlich nicht wirklich Humor, er nudelt das zweitklassige Liedgut dann auch ziemlich lust- und talentlos runter.  Kein  Vergleich zu den überambitioniert gescheiterten „German Recordings“ von Gunter Gabriel. Wobei Sonne von Rammstein mit seinem leeren Pomp durchaus auch zum Standardrepertoire des greisen Rechtspopulisten passen würde. Sehr schön war nur  der Protest der Profi-Pubertierer  „Die Ärzte“ (Oder waren es die Toten Hosen) gegen die Vereinnahmung durch Heino, weil es sich doch eigentlich andersrum gehört. Na egal – Hauptsache die ganze Armada der talentlos Verzweifelten und  B-Promis kommt mal wieder ins Gespräch und in die Bild-Zeitung und das auf viel angenehmere Weise als durch eine Dschungel-Camp Teilnahme. Ach so, und was hat das jetzt mit Tocotronic zu tun? Antwort: Sie sind NICHT auf der Heino Platte!  (Heinos Cover von „Kapitulation“ würde sich wahrscheinlich wie der gesungene letzte Bericht der Wehrmacht anhören).

 

Der Stern: Immer vorn dabei im Kampf gegen den Sexismus.

Und wenn wir jetzt schon mit dem absteigenden Ast befinden schwenken wir gleich mal um zu einem ehemaligen Tittenblatt mit Auflagenproblem, dem „Stern“.  Dem Stern also und Rainer Brüderle. Dieses Thema hier neben Tocotronic und Heino zu moderieren bedeutet die „Zwiebel im Idiotensandwich“-Rolle einzunehmen. Der Stern ist komplett notgeil mal wieder in der Nähe wie so etwas investigativen Journalismus zu rutschen und aufregende Geschichten aufzuklären, wie z.B. bei den äh Hitlertagebüchern. Und Rainer Brüderle… dazu fällt mir nichts ein, was zum verbalen Setzkasten dieses Blogs gehört. Weil man genau bei diesem Thema alles falsch machen kann, machen wir einfach alles Richtig mit einem weisen Tipp vom alten Frischmilch: Ob Männlein ob Weibleich, ob alt ob jung, ob dick ob dünn. Man setzt sich nicht nächtens zu Typen wie Brüderle und ähnlich vergreisten Dinosauriern aus dem Prostata-Bataillon an die Hotelbar. Bitte auch nicht die heiße Herdplatte mit seinen Händen anfassen und keine günstigen Mobilfunkverträge am Telefon abschließen. Ansonsten hat mir dieses Jahr bisher vor allem der Sommer gefehlt.

P.S. Gestern war das neue Tocotronic-Album auf das Platz 2 der deutschen Albumcharts. Hinter Matthias Reim!

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