Das Trümmer-Prinzip

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Trümmer und Zucker im Limba.

Ein kleines traumatisches Erlebnis liegt doch seit einem Artikel über unserem kleinen Blog. Nämlich die für immer offen bleibenden Fragen an Simon Reynolds (Retromania), deren Antworten den Plaste-Blog so schön geschmückt hätten. Aber zum Glück gab es therapeutische Hilfe von Trümmer aus Hamburg.

In Retromania stellt Reynold die Theorie auf, dass durch die örtlich, zeitlich und mengenmässig unbegrenzte Verfügbarkeit von Musik einerseits und die vergangenheitsorientierte Blick der gesamten Gesellschaft (Bio-Gurken statt Mars-Expedition) andererseits vor allem junge Bands in den Plattenkisten und auf den

Trümmer im Cafe Limba
Alle Fotos: Tom Münch

Festplatten ihrer Väter herumwühlen, ständig auf der Suche nach authentischen Vintage-Sounds sind, statt neue musikalische Welten zu entdecken und dort hinzugehen, wo vorher noch keiner war. Das wirft natürlich Fragen auf, die an dieser Stellen aber leider nicht beantwortet werden. Oder vielleicht doch am Fasnetsfreitag im Limba? Vor dem Konzert schreit Wolfgang B. noch schnell den Slogan der 1980er Residenz Hymne „Alfred Hilsberg ist ein Schwein“ um auch für  die angemessene Kontextualisierung zu sorgen. Schließlich handelt es sich um echte Zick-Zacks Bands trümmer1und wir kennen uns ja aus. O.K. ein Fass Korea für jeden der den Zusammenhang wirklich verstanden hat. Der ganze musikhistorische Altmännerbalast ist aber völlig schnurz und zwar komplett ab dem Augenblick als Trümmer loslegen. Völlig wurscht, dass sie mich manchmal an die frühen Abwärts-in-nett errinnern. Völlig wurscht dass mich bei den Texten ein Blumfeld-Gefühl ergreift. trümmer2Das natürlich nur als Metapher, weil ich kaum eine Silbe verstehe, ihnen aber zu 100% ambitionierte gelungene Jungmänner-Texte unterstelle. Es ist auch völlig wurscht, dass mich die Zucker-Mädels an diesen Gymnasiastinen-Typus erinnerten, denen ich immer, ca. 1983/84 meine Fanzines verkauft habe um dann wunderbar über Bands, wie z.B. „Die Zimmermänner“ zu diskutieren.

All das macht nichts solange Bands wie  Trümmer genug Wut im Bauch,Talent im Kopf und Energie im Arsch haben um uns mitzunehmen auf dem Weg nach vor. Und weil Paul Pötsch zusätzlich im Limba sozialisiert wurde und die weiterführende Zipfelschule abgeschlossen hat, wünsche ich mir für die Band mit dem dynamischen Sound eine mindestens mittelschwere Karriere mit Textbeilagen in den CDs.

Wer seinen Blick zwischen Bassist und Drummer zwischendurch nach draussen lenkte, konnte vor der Kebab-Bude eine kleine Quasi-Video-Clip Performance bewundern. Zur Musik von Trümmer (zumindest aus meiner Sicht) alberten zwei kahlköpfige, korpulente Herren mittleren Alters durch die Schneeflocken, der eine im Wild Wings- , der andere in einem Häschenkostüm. Und während sie versuchen die Schneeflocken mit Ihren Zungen aufzufangen, tropft die Soße ihres Kebab-mit-Allem in den frischgefallenen Schnee der Schlösslegasse. That’s Karneval (aka Fasnet)!

P.S. Zucker habe ich nicht vergessen, aber leider verpasst.

P.P.S. Auch ein wunderschönes Phänomen, ist die Abmoderation der Bands durch Bernhard Zipfel. Nach dem obligatorischen Tschüss, wurstelt er noch an der Anlage und gibt im 15 Sekundentakt kleine Anekdoten von sich. Warum auch nicht, das Mikro war ja noch angeschlossen.

 

1 thought on “Das Trümmer-Prinzip

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