Dream Baby Dream

 

 

 

 

Ein Lied – Drei Interpreten

Dream Baby Dream ist einer der schönsten und cremigsten Hits aller Zeiten, der keinen Eingang in den üblichen Best-Of Kanon der schönsten und cremigsten Hits gefunden hat, na ja zumindest hat er die Decke zum kommerziellen Erfolg nie durchstoßen.

Geschrieben und zuerst veröffentlicht wurde der Track von 1977 von Suicide.  Alan Vega und Martin Rev schnappten  sich bei ihrer Musik den  Rhythmus des 50er Jahre Rock’n Rolls, steckten den in den verstörenden, überkommenen und verlogenen Kontext des Amerikanischen Traums und drehten das ganze alptraumhaft und bisweilen bis an die Kitschgrenze schön durch den Martin Revs Synthie-Wolf. Alan Vega kam daher wie ein Mischung aus Gary Glitter und einem Elvis-Imitator auf Jägermeister. Dream Baby Dream basiert auf einem hyperaktiv bedrohlichen Synthiehook auf dem die butterweich schaumige Melodie trohnt. Alan Vega croont dazu wie weiland Elvis kurz vor seiner Las Vegas Periode und erzählt die Geschichte vom großen Traum als völlig ironiefreie Kitschtapete.  Natürlich ist der Text eine Reflektionsfläche, vielleicht haben die beiden, die aus der drogenverseuchten Lower East Side kamen es ja auch wirklich erst gemeint, wollten einfach nur  mal was Schönes machen und nicht wie in „Frankie Teardrop“ über Typen singen, die gleich ihre ganze Familie umbringen. Aber Reflektion, das ist gute Popkultur ja immer. Und da kommt auch schon der nächste Interpret ins Spiel…

Bruce träumt

Bruce Springsteen ist ein  Sänger aus den USA, der in den frühen siebzigern als Bob Dylan Imitator seine Karriere startete und sich dann aber selbst zur Ikone formen konnte. Bodybuilding Studios kennt er von innen und ist mit einen Schneider bekannt, der ihm karierte Arbeiterhemden auf Maß schneidert und zwar so, dass die Oberarme so rausgucken, als ob der Ärmel gerade hochgerutscht wäre (echt keck). Ausserdem gehört ihm die Altmänner-Zeitung Rolling Stone , deren Titel er gefühlt jeden Monat schmückt. Und macht natürlich Musik in der vor gern Mädchennamen vorkommen, wie Mandy oder Sandy, die auch in der früheren Ostzone sehr beliebt waren. Springsteen hat den Song nur live gespielt.. Er entfernt alle Glöckchen alles Liebliche und nudelt den Song in seine Rockdaddelmaschine. Auf einer etwas käßfüssigen Sytnthiebasis nörgelt er sich zuerst so durch den Song, daß er zum Schlaflied mutiert (könnte ja auch so verstanden werden), gegen Ende wenn er die Botschaft wie ein Mantra runterbetet, wird ein Befehl daraus. „Träume den Traum“, ich tu es ja auch. Man kann es ihm nicht verübeln, weil er ihn ja klamottenmässig auch lebt. Jetzt kommt natürlich die Frage: Warum tut  er das. Die Antwort, die zu jeder Gelegenheit herausposaunt: Suicide ist sein Vorbild. Aha…. Mhm…Na ja (Rolling Stone Magazin – bitte übernehmen, mir gehen die Worte aus)

 

Im sicheren Jazzhafen

Der eigentlich Auslöser für  diesen Plaste-Bericht war nicht der Wunsch ein bischen an Bruce Springsteen herumzunörgeln sondern die fulminante Jazz-Version von Neneh Cherry. Ihr Gesang, der Song selbst und das deepe Saxophon von The Thing sorgen erst einmal dafür, das der Track nicht in die Adult-Oriented-Jazz Section für entspannungshungrige Managerinnen abtaucht. Ja und zweitens ist er eine großartige fast ebenbürtige Interpration, der Dream Baby Dream wieder von Springsteens Muskelpaketen befreit. Neneh Cherry Version vom Traum sanft, fast privat und doch nicht SWR3 versaut. Das Alber-Aylers mässige Saxophon nach Minute 7 soll hier jetzt aber nicht interpretiert werden, wir sind ja hier kein Wissenschaftsblock. Man kann sagen: Dream Baby Dream ist angekommen – Keep your dream burnin.

P.S. Thunder Road von Springsteen ist ein dröhnender Hammer-Hit, der in jeder gutsortierten Hemdensammlung seinen Platz haben sollte.

P.P.S. Alan Vega ist zwar nicht Elvis, verfügt aber doch über einen natürlichen Charme. Ich durfte ihn 1983 mal für die Print-Ausgabe dieses Blogs interviewen. Wie damals üblich kam immer gern eine junge Dame mit, um mir zu helfen und nebenbei einen Popstar kennen zulernen. Und na ja in diesem Fall ist die junge Dame Alan Vegas Charme erlegen, hat  das berufliche mit dem privaten vermischt und noch etwas mehr Zeit mit dem Helden verbracht. (Nach fast 30 Jahren darf mans ja mal sagen)

„Die anderen, die in CBGBs spielten, sagten den Leuten: ‚Da draußen auf den Straßen von New York ist die Hölle‘, wir wollten ihnen sagen: Das da draußen ist eigentlich harmlos, verglichen mit dem, was wir hier treiben. Hier unten ist die Hölle!“

Alan Vega – Suicide

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