Kraftwerk@Stuttgart_feat_alexander_gerst_from_outerspace

Kraftwerk StuttgartRalf Hütter verfolgte Anfang der 80er Jahre das Projekt, Kraftwerk an mehreren Orten der Welt gleichzeitig live auftreten zu lassen. Anstelle der Musiker sollten deren Mensch-Maschinen vor Ort sein. 2013 performten Kraftwerk im Museum of Modern Art/ NY auf. An acht Abenden spielten sie komplett ihre Alben durch. Kraftwerk ist so zum Prototyp für die Musealisierung der Popkultur und ihre Überführung in Kunst-Feuilleton avanciert.

Dazu gehört auch die komplette Kontrolle über ihren „Katalog“, die permanente Optimierung der Sounds.  Die Entscheidung die ersten beiden Kraftwerk-Platten aus dem Katalog zu streichen weil sie nicht mehr in Hütters Band-Konzept passen. Kraftwerk gehörten schon in den späten 70ern, zu den Bands die sich ikonisch inszenierten und so eine Corporate Identity entwickelten, die in ihrem Kern heute immer noch funktioniert.

kraftwerk stuttgart radioacitvity

 

Die Choreografie der Tracks beim Jazzopen Gig folgte dem Muster, Songs thematisch nach Alben zu bündeln. Den Einstieg machten die Stücke von Computerwelt. Das Album von 1981 war schon ziemlich nah am aktuellen Kraftwerk Trademark Sound und Inspiration für viele Hip Hop und Electro-Acts dieser Zeit. Gefolgt von Auszuügenaus Autobahn, Radioaktivität, Transeuropa-Express und Tour de France. Es ist erstaunlich wie aktuell und frisch die Kraftwerk  Tracks nach über 40 Jahren klingen. Vielleicht liegt es daran, dass sie nach ihrer Digitalierung ab den 90er Jahren ständig editiert werden. Vielleicht an der Griffigkeit der minimalistischen Poesie dieser Musik. Vielleicht daran, dass die Musik, die eine Welt der Zukunft beschreibt,  trotz innovativem Techno-Pop immer schon unverschämt melodisch ist. Vielleicht ist der Sound auch einfach nur Geil.

Gründungsmitglied Ralf Hütter bezeichnet sich selbst als Musik-Arbeiter. Er und die Mitarbeiter halten sich an ihren Pulten in traditioneller Pressekonferenz-Anordnung im Hintergrund.  Deshalb kommt den 3D-Projektionen eine große Bedeutung zu. Alle basieren auf Clips die schön länger im 2D Einsatz sind, oder bereits bei der Veröffentlichung der einzelnen Platten fürs Musikfernsehen produziert wurden. In den perfekten Momenten verschmelzen der Sound, die körperlich fühlbaren Bässe und die die 3D-Projekten zu dem Traum einer elektronischen Utopie.

Alexander Gerst Kraftwerk Stuttgart
Gestatten: Astro Alex und die Electro-Schlümpfe

So machte ich mir gerade ein paar Gedanken, darüber ob nicht auch für die Clips ein Refresh in Frage kommen sollte. Das visuelle Originalkonzept in allen Ehren, aber „Autobahn“ kommt schon ein wenig wie die 1994er PC-Version von „Zelda“  rüber.  Ich dachte darüber nach ob nicht das komplette audiovisuelle Konzept der Kraftwerk Fabrik ständig aktualisiert werden und dass dieses Thema unbedingt in diesem Bericht erscheinen müsse. Inzwischen lief „Spacelab“. Auf der Projektionswand ein Clip mit der Raumstation ISS. Dann switcht das Bild und Alexander Gerst erscheint live aus der ISS auf der Projektionswand. Auf einem dafür programmierten Tablet spielt er dazu das Motiv des Stücks von Mensch-Maschine und jamt mit Ralf Hütter.

Die Zukunft passiert bei Kraftwerk eben, die wird nicht extra angekündigt. Also brauchen viele im Publikum so ihr Zeit, zu kapieren,  dass sie dem ersten Live-Jam in der Geschichte der Menschheit beiwohnen, bei dem ein Musiker mit Captain Future Shirt aus dem  All in 408 Km Höhe direkt in das Herz des Schwabenländles verbunden ist.

Gerst im  selbst ist Kraftwerk-Fan, vor der Start in die ISS hörte er Mensch-Maschine und Hannes Waders (!). Seine Botschaft: „Über 100 verschiedene Nationen arbeiten hier friedlich zusammen und erreichen Dinge, die eine einzelne Nation nie erreichen könnte. Wir entwickeln auf der ISS Technologien, um in Zukunft über unsere Horizonte hinaus zu wachsen und weitere Schritte hinaus ins All, zu Mond und Mars vorzubereiten.“ 

Und da ist sie wieder die gute Botschaft in all der Dystopie unserer Zeit. Die Zukunft kommt und wird gut, wenn die Menschheit gemeinsam daran arbeiten. Ich bin mir sicher, dass in einer solchen Zukunft in jedem guten Museum der Welt die Kraftwerk-Roboter stehen und musizieren werden.

Es wird immer weiter gehen. Musik als Träger von Ideen.

 

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