Rückblick – The Worst of 2016. Das Jahr, das ein Arschloch war.

CLEVELAND, OH - AUGUST 06: Republican presidential candidate Donald Trump participates in the first prime-time presidential debate hosted by FOX News and Facebook at the Quicken Loans Arena August 6, 2015 in Cleveland, Ohio. The top-ten GOP candidates were selected to participate in the debate based on their rank in an average of the five most recent national political polls. (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

01.01 SylvesterKöln™

Ressentiment fullfilment galore. Sylvester in Köln war die  große rauschende Party für alle Rassisten, Flüchtlingshasser und AfD-Parteikader. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten sich alle “Menschen, die mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik nicht einverstanden waren” die Übergriffe und möglichen Gefahren durch Flüchtlinge selbst ausdenken. Es war wirklich ekelhaft, was den Frauen in Köln angetan wurde, aber darum ging es den Wenigsten der Empörten.

Die heilige Dreieinigkeit der Ressentiments wurde Wirklichkeit und Alex Gauland und Betty Storch zündeten im Dom dazu eine Kerze an.  Erstens:  Der Fremde, hat endlich deutsche Frauen sexuell belästigt. Zweitens: Die Presse, hat  die Übergriffe nicht sofort adäquat aufgeblasen.(wobei da eher Feiertagsbesetzung der Redaktionen  und Sylvesterkater eine Rolle spielten). Drittens: Der deutsche Staat, verkörpert in der Person Angela Merkel,schaffte es nicht seine Bürger vor den brandschatzenden Negermoslemhorden zu beschützen. Im Nachgang besorgte die AfD  das Agenda Setting für lange Zeit. CSU-Politiker atmeten hyperventilierend in Plastiktüten und Heiko Maas versuchte sich mit Gesetzänderungen in Schadensbegrenzung. Plötzlich diskutierte ich in Facebook darüber ob man das Angebot von kriminellen  Rockern (u.a. Prostitution) annehmen sollte, die offeriert hatten  Frauen in Tuttlingen zu beschützen.

11.01. David Bowie

Für die Menschen in 2116 wird David Bowie das Symbol für Popkultur sein, so wie Picasso z.B. für uns die Klassische Moderne verköpert. Er steht für alles was an Pop cool, überlegen und genial war. Und das noch lange nachdem seine Musik, das nicht mehr unbedingt erfüllt hat. An diesem 11.01. als ich morgens mit unauskuriertem, wattigen Grippekopf zur Arbeit fuhr und die Nachricht hörte, wurde mir klar, dass mit diesem Jahr etwas nicht stimmen kann.

15.03. Landtagswahl Baden Württemberg

Im Nachgang zu Köln™ fädelte Angela Merkel den sogenannten Türkei-Deal ein. Dass schließen der Grenzen in Ungarn und Mazedonien wurde schweigend zur Kenntnis genommen, die Willkommenskultur damit beerdigt, “Bahnhofsklatscher” und “Teddybärwerfer” avancierten zu den beliebtesten Schimpfworten des Frühlings. Der Grund:  In drei Bundesländern standen Landtagswahlen an und es bestand die Gefahr, dass langbewährte und wohlgenährte CDU-Abgeordnete ihre Büros räumen mussten. Was denn auch geschah, in Baden-Württemberg wurde die CDU Junior-Partner von den Grünen und die AfD zog mit 15% in den Landtag ein. In der Nacht nach der Landtagswahl träumte ich, dass ich ein Verhältnis mit Frauke Petry habe. Ich schiebe das jetzt mal auf ein zu reichhaltiges Abendessen.

21. April Prince

Der Held aus den Achtzigern. Der Typ der dem aalglatten Michael Jackson-Pop Paroli bieten konnte. Der Musik schuf, auf den sich alle einigen konnten. Der verrückte Soundtüftler, der alle Stile miteinander verschmolzt und damit seine Figur Prince kreierte. R.I.P.

24. Juni Brexit

Der erste große Wahlsieg der Populisten. Boris Johnson zündelt rum und versteckt sich erst mal nach seinem Wahlsieg. Einen Plan für den Brexit hat allerdings keiner der Befürworter in der Tasche. Wozu auch? Es ist ja auch nicht die Aufgabe von Populisten einen Plan zu haben oder gar selbst die Scherben aufzukehren.

4. September Landtagswahlen MCPom

alternative-fuer-deutschland-landtagswahl-mecklenburg-vorpommernDass die AfD in einem Bundesland mit den wenigsten Flüchtlingen am meisten Zuspruch bekommt und die CDU locker überholt gehört zur Logik dieses Jahres. Allerdings hat der Wahnsinn hier endlich ein Gesicht bekommen: “Der irre Jubler”, Es scheint fast, als ob sich in den Gesten dieses Mannes der Frust eines ganzen Lebens die Bahn bricht. Das Adrenalin treibt ihm die Augen aus dem Höhlen, die Ärmchen stoßen stakkatoartig nach oben und ein Schrei ertönt so laut wie beim FDGB-Pokal Siegs der BSG Waggonbau Dessau anno 49.  „Der irre Jubler“ trägt das hässliche Gesicht dieses Jahres in dem der vermeintliche kleine Mann für alles Leid, das ihm angetan wurde zurückschlägt. Egal wohin.

 

9.11. Donald Trump

Shit goes real. Na ja, halb so schlimm. Na ja, die Demokratie muß auch einen Donald Trump aushalten. Na ja, wir sind jetzt mal aus dem 30. Stock gesprungen und nach 15. Stockwerken im freien Fall, ist ja noch nichts passiert. Donald ist nur ein Milliardär, der seine Steuern nicht zahlt, fremdenfeindlich ist, gern Witze über Behinderte macht, Frauen behandelt wie es sich ein zigarrenschmauchender dickbäuchiger Macho in den fünfziger Jahren nicht getraut getraut hätte. Er will das Establishment bekämpfen und stellt sich ein Kabinett zusammen, das in Summe so reich ist wie 43 Mio. amerikanische Haushalte. Ne schon klar.

Er profiliert sich durch Ausgrenzung von Minderheiten um dem Poor White Trash  im Rust-Belt und Bible-Belt wieder das Gefühl zu geben, dass es noch Menschen gibt auf die man herabschauen kann. Kurz er ist ein Faschist. Nur eine Bitte: Lasst es wie einen Unfall aussehen.

11.11. Leonard Cohen

Wir erfahren im Fahrwasser von Trumps Schocksieg fast beiläufig von Leonard Cohens Tod. Wieder ein Guter weniger. We don’t want it darker.

3. Dezember Freiburg

An diesem Tag informiert die Kripo Freiburg darüber, dass ein Flüchtling aus Afghanistan als Mörder einer 19-jährigen Studentin verhaftet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde aus einer “Debatte” die schon immer menschenfeindlich, geschmacklos und verlogen war eine widerliche stinkende Schmiere, in der sogar das Opfer als auch die Eltern der Ermordeten verhöhnt wurden, weil sie sich für Flüchtlinge engagiert hatten. Beim Verfolgen der Posts auf Facebook habe ich mich ernsthaft gefragt, wo diesen ganzen ekligen geistigen Höhlenmolche, Fäkalartisten und verkniffenen Schrumpfmurmeln plötzlich herkommen. Waren diese intellektuellen Schiffschaukelbremser bisher irgendwo angekettet, hat man Ihnen den Mund zugenäht und das Internet vor Ihnen versteckt. Gab es irgendwo einen Ausbruch?  Hab nichts drüber gelesen, ach ja die Presse berichtet über sowas ja eh nicht.

4. Dezember „Der Hofer in der Hofburg“

Nein, nein, nein – das war jetzt nur postfaktisch, versteht ihr POSTFAKTISCH. (Im Hintergrund ist irres Lachen zu hören) Gewonnen hat die Wahl der bekennende Donaldist Van der Bellen und zwar gleich zur Sicherheit zweimal. Norbert Hofer erinnerte mich immer an einen Motivationstrainer für Schuhcremevertreter. Einer dieser Typen, der nebenher noch Ratgeber-Bücher im Eigenverlag rausbringen um am Schluß doch in der Kleinkriminalität zu landen. Aber immerhin die Welt schaut auf Österreich und kann kurz Atem holen Hiiii -Puuuuuh

19.12. Berlin

pretzellUnd wieder habe ich das Gefühl, dass hier bei der AfD die Sektkorken geknallt haben. Schon 15 Minuten nach der ersten Meldung , wird der erste widerliche Tweet von Pretzell abgesetzt. Man könnte meinen sein Statement wäre schon vorbereitet gewesen, aber Müll in der Qualität gibt es bei der AfD spontan, gratis und in großen Mengen. Einige Tage später legt die AfD in den Umfragewerten drei Punkte auf 15,5% zu. Die perfide Rechnung ist aufgegangen.

Und 2017?

Am Ende des Jahres bleibt die positive Erkenntnis, dass die Österreicher es gerade noch geschafft haben einen Wurstlnazi von der Hofburg fernzuhalten. Auch die Reaktionen vieler Deutschen nach dem Anschlag in Berlin zeigen, dass die die Zivilgesellschaft wehrhaft ist.

Populisten hinterher zulaufen ist, wie sich im Winter, wenn’s kalt ist in die Hosen zu pinkeln. Am Anfang ist es noch wohlig warm, aber bald fühlt sich alles kalt und klamm an. Aber das ist egal, schließlich hat man ja gelernt die Schuld für sein ganzens Elend auf die anderen zu schieben. „Der Flüchtling war’s, der hat mich angepinkelt.“

Liebe Freunde wie soll es jetzt weitergehen? Es gibt für 2017 zwei Möglichkeiten. Entweder glaubt ihr, dass euch  vor zwei Jahren ein Blumentopf auf den Kopf gefallen ist. Seither liegt ihr im Koma, habt schlechte Träume und hofft aufzuwachen. Oder euch wird klar, dass es in Komaträumen keinen Plaste-Blog gibt und ihr die Sache selbst in die Hand nehmen müsst.

Nächstes Jahr ist Bundestagwahl. Ziehen wir also unsere Gummistiefel sowie die ganz dicken Regenjacken an und setzen dem abstoßenden Sturm aus Lügen, Scheisse und Hass etwas entgegen.

Denn es gibt im Leben eine Gewissheit: Das Gute siegt immer!

In diesem Sinne – Welcome 2017!

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