No Country for old (white) men – So schön war 2017

No Country für weiße alter Männer Plaste JahresrückblickIch möchte das vergangene Jahr einer vom Aussterben bedrohten Spezies widmen, dem „alten weißen Mann“. Er war der Kernwähler beim Brexit, hat Trump auf den Idiotenthron gesetzt und tritt auch bei uns als permanent eingeschnappter und bruddelnd rassistischer AfD Wähler in Erscheinung. Rein demographisch handelt es sich um Männer zwischen 45 und 59, mit mittlerem oder niedrigem Bildungsabschluß. Für diese besonderen Exemplare kommen wohl die klassischen sinnvollen Aktivitäten eine Midlifecrisis nicht mehr in Frage, als da wären Cabrio kaufen (zu teuer), Motorad zulegen (zu gefährlich), Marathon laufen (zu anstregend) oder Geliebte zulegen (zu teuer, zu gefährlich und zu anstrengend). Also setzt man sich vor den PC und inhaliert den Hass direkt und komplett kostenfrei aus der AfD/ Rassistenfilterblase. Its true.

Der König der Idioten

Es könnte durchaus ein Glückgriff gewesen sein, gerade einen rülpsenden, furzenden und dümmlichen Milliardär auf den Populistenthron zu gesetzt zu haben (Außer natürlich wir sterben alle in einem Atomkrieg). Eine Hillary Clinton stünde sicherlich für einen solidieren Eindruck und eine vernünftigere Politik, hätte sich aber auch im Rahmen der Spielregeln einer neoliberalen globalen Wirtschaft bewegt und wäre im schlimmsten Fall von einem faschistoiden Smartass abgelöst worden.

Trump ist niemand bei dem behauptet wird, er sei „ja gar nicht so schlimm“. Er zerstört das staatliche Gesundheitssystem, bedient sich selbst mit einer Steuerreform in der Staatskasse und wertet einen Brötchenfrisur tragenden Vollhonk Despoten aus einem der ärmsten Länder der Welt auf, indem er sich mit ihm auf Augenhöhe begibt. Kurzum die Weltmacht USA wird von einem Lauch regiert, der täglich vier Stunden TV schaut und drei Liter Cola säuft. Unterdessen formiert sich in den USA eine Bewegung aus Menschen, die stärker politisch denkt und die Zukunft nach Trump mitbestimmen möchte. Und plötzlich gewinnt sogar ein Demokrat die Senatswahlen in Alabama „Gods own Country of Racism“. Great News!

Die Narren am Hofe des Idioten

Seit September sitzen nun 92 Rechtsradikale im deutschen Bundestag, wenn man mal nur die AfD-Mitglieder hier berücksichtigt. Ihre erste und wahrscheinlich einzig nachhaltige Funktion war es durch rein rechnerische Anwesenheit eine neue Regierungsbildung schwer zu machen. Lindner (auch bekannt als FDP) bekam nasse Füsse und gibt lieber den Light-Populisten. Die gute alte SPD, der Geheimtipp unter den Volksparteien hat irgendwie auch keinen Bock mehr auf Merkel und muss sich jetzt da irgendwie durchmogeln. Schlimm? Nö, denn jetzt müssen sich die Parteien um Inhalte kümmern und diese öffentlich und transparent verhandeln.

Es ist nicht mehr die Zeit, um bequem durchzuregieren. Die Wähler sind bereit Protestparteien zu wählen, haben aber auch keine Lust auf Profioppositionelle, das wird auch die AfD merken. Die markigen Worte von Alexander Gauland nach der Bundestagswahl „Wirrr werrrden sie jagen…“ war mehr Pfeifen im Walde als Drohung. Ihm ist als Profipolitiker klar, dass das Agandasetting durch Provokation nun schwerer wird.  Bitte nicht falsch verstehen, diese Ansammlung von Rassisten, verklemmten Hinterwäldlern und gewaltbereiten Hohlmurmeln aus denen sich die AfD zusammensetzt ist gefährlich, nützt niemandem und ihre Saat schadet schon jetzt vielen Menschen in unserem Land. So sad!

Kurt Tucholsky: Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.

Wir haben jetzt nicht nur die Chance sondern auch die Aufgabe unter dem Druck der Populisten die Lügen unserer Gesellschaft aufzudecken und die Probleme anzugehen. Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz hat die ganze Oberflächlichkeit unserer Politik aufgezeigt. Es wurde über die Maut gesprochen, natürlich über Flüchtlinge über die Türkei-Politik. Wer welche Meinung dabei vertreten hat, tut nichts zur Sache und ich glaube kaum, dass sich wirklich noch jemand daran erinnert.

Entlarvend ist,  über was nicht gesprochen wurde. Über Konzepte, wie das bedingungslose Grundeinkommen, die sich mit den Folgen der Freisetzung von Millionen Arbeitsplätzen im Rahmen von Industrie 4.0 auseinandersetzen. Es wurde nicht darüber gesprochen, was den negativen Auswirkungen des Neoliberalismus entgegengesetzt werden soll. Den Volkswirtschaften werden Milliarden durch globale Finanzierungsmodelle entzogen. Bekanntestes Beispiel: Apple hat seinen europäischen Hauptsitz in Irland und zahlt dort schlappe 50€ pro 1 Mio € Gewinn. Das deckt wahrscheinlich nicht mal die Personalkosten für den zuständigen Sachbearbeiter des Finanzamts. Es wurde deshalb nicht darüber gesprochen, weil selbst die Regierung des bevölkerungsreichsten Landes in Europa diese Faktoren gar nicht mehr beeinflussen kann und das keiner zugeben möchte. It’a a fake!

Der Neoliberalismus hat in den 80er Jahren die klassische soziale Marktwirtschaft abgelöst mit dem Versprechen, wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut. Nur ist der Mensch leider nun mal gierig und die Globalplayer und ihre Aktionäre haben keine Lust von ihrem großen Kuchen all zuviel abzugeben. Great tasty cake!

Neue Lösungen von alten Männern?

Auch damit hat der Ruf der AfD/ Trump und Rassisten-Wähler nach starken Männern mit einfachen Lösungen zu tun. Und genau die, die weißen, alten Männer sind nur Popanze und Hampelmänner  die die neuen Herausforderungen mit alten Lösungen bewältigen wollen, die nicht mal in der Vergangenheit funktioniert haben. Die Putins, Orbans oder Gaulands klammern sich auf Kosten von Minderheiten an ihre Ämter, im Gefolge ein Entourage aus Bratwurstfaschisten und gefährlichen Losern.  Die nächsten Jahre werden hart, die Schlacht ist aber zu gewinnen, wenn wir die Rassisten nicht die Themen bestimmen lassen, wenn die Politik vielleicht mal wieder sowas wie Visionen entwickelt und wenn sich jeder für die Gesellschaft in der wir leben verantwortlich fühlt, da dürfen gern auch die alten, weißen Männer mitmachen. Make democracy great again!

Außer natürlich Trump zettelt einen Atomkrieg an. Loser!

Ich wünsche euch ein Gutes, Engagiertes und Erfülltes 2018! So happy!


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