5 Gründe warum wir die AfD jetzt an der Backe haben.

Spoiler 1: Wir schieben weder Angela Merkel hoch sonst jemandem die Schuld in die Schuhe.
Spoiler 2: Zusammenfassung für Lesefaule. Die Welt dreht sich momentan zu schnell für unsere Vestibularorgane.


Grund 1: Die Welt als solche
Die digitale Revolution beschert uns nicht nur witzige Clips auf dem iPhone sondern sorgt für große gesellschaftliche asymetrische Verschiebungen. Industrie 4.0 wird in den nächsten Jahren viele Arbeitsplätze in der Produktion vernichten. Arbeitnehmer, die schon jetzt im Pflege- oder Dienstleistungssektor gelandet sind, kratzen trotz ihrer Fulltimejobs am Existenzminimum. Riesige Geldmengen können in kurzer Zeit transferiert und  z.B. aus Rentenfonds oder Volkswirtschaften abgezogen werden. Die Fünf größten Unternehmen der Welt sind Digitale Großkonzerne. Die Regierungen vieler Länder konkurrieren um Amazon & Co, die dafür ihre Gewinne fast unversteuert wiederum aus den Volkswirtschaften abziehen. Und zu Guter Letzt belasten sieben Millarden Menschen das Ökosystem unserer Erde immer stärker, die Folgen des Klimawandels sind bereits für jeden spürbar (Außer für Donald Trump). Der junge Christian Lindner würde jetzt sagen: Probleme sind dornige Chancen

Wohin driftet die Welt als solche?
Alle großen technologischen Fortschritte hatten immer auch gesellschaftliche Umwälzungen zur Folge. Die gute Nachricht: Meist ging es den Menschen danach besser. Die schlechte Nachricht: Der Weg dahin war oftmals blutig


Grund 2: Die AfD- Wähler
Die AfD bietet ihren Wählern eine optimale Reflexionsfläche ihrer eigenen Bedürfnisse. Männer über 50 mit Blasenschwäche, nervender Midlifecrises und bohrenden Zukunftsängsten hört mal einer richtig zu und haut stellvertretend auf den Tisch. Das Ideal der AfD-Wähler ist es Homesexuelle wieder 175er nennen zu dürfen, den Frauen wieder mal auf den Hintern zu klopfen und nur weißhäutige Durchschnitts-Gimpel in den Fußgängerzonen anzutrefffen. Dauerführungskrisen, Skandale und gezielte Provokationen tun der Begeisterung keinen Abbruch. Die Partei könnte genauso gut von Schimpansen in Dackelkrawatten geführt werden, sie würde keinen Prozentpunkt dabei verlieren.

Die Lust es jetzt mal allen heimzuzahlen und in einer unübersichtlichen Welt klare Feindbilder zu haben, ist größer als sich mit den wahren Problemen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen. Das dümmlich, neoliberale Geschwurbel im Parteiprogramm stört ebenso wenig. Ich habe den Eindruck, dass das Programm ausschließlich von AfD-Gegnern gelesen wird, um diesen Schwachsinn zu analysieren. Die AfD-Gemeinde selbst, die inzwischen über einen fast sektenhaften Gemeinschaftskorpus verfügt, lässt die Kritik als merkelgesteuerte, linksgrünversifftes Lügengebilde mit hochrotem Kopf an sich abtropfen.

Welche Zukunft erwarten die AfD-Wähler?
Die AfD hat alles im Portfolio, außer Zukunft natürlich. Im Angebot sind die 30er (Höcke) die 40er (Weltkriegs -Gauland), die 80er-West (Da durfte man noch alles machen und die Grünen trugen keine Anzüge) oder 80er-Ost (Ein moderate Diktatur nimmt den Bürger alle Entscheidungen ab dafür darf im stillen kräftig gemotzt werden. )


Grund 3: Die CDU
Angela Merkel trat im Wahlkampf wie eine Schlagersängerin auf, die müde aber tapfer immer wieder ihren alten Hit von “Maß und Mitte” im Bierzelt runternudelt. Sie bediente dabei die Klientel der konservativen Mitte, die für den Absprung zur AfD noch genug Beisshemmungen hatten. Immer wieder wurden die “Uns-gehts-doch-gut” Goldenen-Merkel-Jahre heraufbeschworen. Der Wirtschaftsaufschwung, begünstigt durch die Agenda 2010. Die Bewältigung der Finanzkrise durch Millardenspritzen an die Banken, die im Nachgang dazu, weiterhin Unternehmen, darin beraten haben ihr Geld vor dem Fiskus in Sicherheit zu bringen. Diese dumpfe Zufriedenheit hat allerdings überdeckt, dass wir im Osten schon lange ein ordentliches Problem mit Rechtsradikalen haben, dass die Integration von Migranten doch nicht so lautlos funktioniert und dass die Folgen des Turbokapitalismus viele Menschen jenseits von Maß und Mitte, nämlich nach ganz unten gespült hat.

Welches Rezept hat die CDU für die Zukunft?

Angela Merkel verspricht uns eine Melange aus den frühen Jahren ihrer Ära vor Finanzkrise und iPhone. Garniert mit einer kohlschen Interpretation der 50er Jahre und einem populistischen Zuckerhütchen aus der Hofbäckerei Seehofer.


Grund 4: Die SPD und die anderen halt.
Der Schulz-Hype im Frühjahr hat eines aufgezeigt. Die Menschen gieren nach einer starken SPD, die ein korrektiv zum Merkelschen Reaktions-Pragmatismus darstellt. Vielleicht hat die “Agenda 2010” dieser Partei jedoch dauerhaft das Genick gebrochen. Selbst der schmierigste Gebrauchtwagenhändler könnte niemandem die Story verkaufen, dass man nach 15 Mit-Regierungsjahren in den letzten 19 Jahren jetzt plötzlich in einer sozialen Fundamentalopposition zur CDU stünde.

In welches Jahr wollen uns die Parteien entführen.                                                    SPD – 1972 (Samstags gehört der Papi mir. Rote Fahnen und aufrechte Arbeiter. Willi)
FDP- 2005 (Frühaufstehen gegen spätrömische Dekadenz. Anschließend den Konsumismus anbeten, die heilige Kuh des Neoliberalismus)
Linke – DDR 1974 (Der Sozialismus hat fast irgendwie funktioniert. Die DDR gewinnt im Fußball gegen die BRD. Sahra Wagenknecht wird eingeschult.)
Grüne: “Mir händ nix gege de Diesel – sind abr fürs Klima. Mir wollet au gern mitregiere”. Die Grünen haben sich keinen historischen Rahmen ausgesucht sondern verschwäbelt, irgendwo zwischen Reutlingen und Schwieberdingen.


Die Medienkrise
Lt Umfragen nutzen ca. 60% der Bevölkerung Facebook als primäre Quelle für ihren Informationsbedarf. Ein Medium in dem ich mich klasse mit meinen Kumpels vom veganen Kochverein austauschen kann. Ein Plattform in der ich mir allerdings auch eine ordentliche Filterblase gestalten kann, in der sich eine apokalytische Dystopie entfaltet. Für ein solches Szenario würde ein Roland Emmerich sein Special-Effects Ideenskizzen mit Handkuss opfern.

Die AfD hat es bis zur Bundestagswahl geschafft eine Medienhysterie hochzupitchen, die unsere Presselandschaft zu einer Zwiebel im Idiotensandwich werden liess. Die AfD zu ignorieren hieße, das Phänomen zu verschweigen und zur merkelgesteuerten Lügenpresse zu werden. Übers AfD-Stöckchen zu springen bedeutete, die AfD zum Top-Medienereignis hochzustilisieren. Zudem sind AfD-Themen bei sinkenden Auflagen, wertvolles Click-Gold. (Ratet mal, welche Themen beim Plaste-Blog am meisten gelesen werden). Da es sich hier um eine gesellschaftliches und nicht um ein Medienphänomen handelt, gab es aus diesem Dilemma auch keinen Ausweg.

Wo die Medien hinwollen:

Zurück in die Zeit vor dem digitalen Scheiss, als es noch nicht möglich war, dass ein clickbait-gescheiter Blogger eine größere Reichweite erzielt als ein Post der Leitmedien.


Der Einzug der AfD in den Bundestag bedeutet weder den Untergang der Demokratie noch sind die Herrschaften harmlose Spinner, die eh nichts gebacken kriegen. Auf keinen Fall aber dürfen wir jetzt dem Schlamassel einfach zuschauen. Es gibt für Demokraten viel zu tun in den nächsten Jahren.

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