Pink Floyd – Wish you were far away

PinkFloydBandMembersPink Floyd verkörpern wie sonst keine Band, zusammen mit Led Zeppelin den Rock-Irrsinn der 70er Jahre. Also in kilometerlangen in Truck-Karawanen durch Baseballstadien touren. Tonnen von Schallplatten an Teenager mit Fönfrisuren verticken. 70er Jahre Kinderzimmer gekonnt so mit Musik beschallen, dass sich Familienvätern die Koteletten kräuselten und sie ihren Nachwuchs insgeheim schon an Drogen, RAF oder Schlimmeres verloren gaben. 

Led Zep symbolisierten eher die Sonnenseite des Jahrzehnts, also mit dicken Socken im Schritt von zu engen Hosen (Squeeze my lemon), Goldlöckchen, Nordafrika-Tanger-Chic und der Erfindung des Groupies (Der fünfte LepZep) also die Verlängerung von California Dreamin, Woodstock und dem ganzen Zeug, das man sich heutzutage als schabloniertes Hippie-Outfit zur Fasnacht im Kaufhof holen kann. Pink Floyd hingegen standen für die dunkle Seite des Jahrzehnts (Den Kaulauer mit dem Mond habe ich  mir gern gespart). Also introvertiert, verkopft, mit fettigen Haaren und Schluffi-Klamotten auf der Bühne rumstehen, Songs über Entfremdung singen, geheimnisvolle Geräusche in die Musik reinbasteln statt sich Hammer-Riffs auszudenken, Songs über Entfremdung spielen und nach der Vorstellung schnell ins Hotel und Hände auf die Bettdecke.

23677_pplVerrückter Diamant.                Dabei fing alles sehr vielversprechend an “A Piper at the Gates of Dawn” von Syd Barrett ist die einzige psychedelische Platte, die man trotz des total überholten Sounddesigns heute noch geniessen kann. Ein mit fetttriefenden Ölfarben aufgetragenens Gemälde über einen Karneval in im LSD-Ponyhof. Baretts Kreativität, Talent für catchy Melodien und sein Aussehen hätten in dazu prädestiniert in den frühen 70ern mit Mark Bolan und David Bowie den Glam zu rocken, warum es nicht geklappt hat ist bekannt. Die Restmusiker holten sich dann Baretts Klassenkameraden David Gilmour und machten halt weiter, sie arbeiteten sich an einer Reihe von Prog-Rock Daddelplatten ab, die heute ohne ihre 70er Jahre Triologie komplett vergessen wären. Das Werk von Pink Floyd würde in lieblos verpackten Original-Album-Series Boxen in den Media-Markt Regalen verstauben.

pink-floyd-band-bw-1-photo-by-hipgnosis-c2a9-pink-floyd-music-ltdSoundtrack zur Vorpubertät       Doch dann –  liessen sie den feuchten Traum aller High-End-Hifi Anlagen Besitzer auf die Menschheit los “Dark Side of the Moon” hat in den letzten 40 Jahren gefühlt 5 Millarden Tonträger verkauft, wobei die sich auf ca 100.000 Tonträgerbesitzer verteilen. Die Platte ist brillant dunkel, funkelnd jeder Ton sitzt, zwar bedeutungsschwanger und schwer aber präzise und zeitlos. Es ist auch kein Prog Rock mehr sondern sowas wie die Erfindung des Dark Wave.  “Wish you where here” und vor allem das Intro von “Shine on you crazy Diamond” war für mich der Soundtrack der 70er meiner Vorpubertät, das Pling-Pling war allgegenwärtig, in Vorabendserien sobald ein Langhaariger auftauchte oder bei der Meditationsstunde im Konfirmantenunterricht. Schönheit am Kitschrand und eine schwerfällig latente Drohstimmung gaben sich hier nochmal die Hand. Danach kam die Geschichte mit Johnny Rotten, der sich auf sein“Pink Floyd” T-Shirt “I hate” pinselte und die Band komplett aus meiner Sozialisierungsgeschichte strich. In Wahrheit war ihr 1977 Album “Animals” jedoch viel näher am Industrial-Sound von Throbbing Gristle als an Teenie-Prog von Bands von Yes oder Genesis. Ab 1978 brauchte allerdings wirklich kein Mensch mehr Pink Floyd. “The Wall” vereinte ein paar brauchbare bis gute Popsongs mit uninspiriertem Dröhn-Rock. Was danach kam waren allenfalls zerissene Spätwerke, die versuchten das Sounddesign der 70er Jahre Trilogie zu rekonstruieren.

Warum ich im Plaste-Blog darüber schreibe?

140924-pink-floyd-the-endless-river-artWeil Pink Floyd es 2014 geschafft haben ein komplett neues Album-Konzept zu kreieren. Und zwar so:

Nick Mason so: Mensch, jetzt sind zwei von uns schon tot und der andere spielt beleidigte Leberwurst. Das letzte Mal waren wir im Studio als es noch gar kein Internet gab. Scheisse, wir haben komplett vergessen uns aufzulösen, komm lass uns noch schnell ein Abschiedsalbum machen.

David Gilmour so: Äh , wir haben aber gar keine Ideen mehr und der Storm (Thorgeson – ihr Coverdesigner) ist auch schon tot- was machn wirn da vorne drauf.

Nick Mason so: Mensch kein Problem mein Wellness-Yogalehrer hat mir nen coolen Kalender von den Zeugen Jehovas geschenkt, da ist son abgefahrenes Bild von Typen drauf der mit nem Boot über die Wolken fährt.

David Gilmour so: Boaaa, mit nem Boot über die Wolken –  echt abgefahren. Und ich hab noch altes Zeug bei mir zuhause rumfahren.  Soundschnipsel und all alter Kram, das wursteln wir dann solang zusammen, bis es sich wieder nach Pink Floyd anhört.

Nick Mason so: Und die Leute wissen dann wenigsten, dass von uns danach nix mehr kommt.

David Gilmour so: Danach wird auch keiner mehr was wollen, hihi.

Nick Mason so: Oder sollen wir uns vielleicht doch noch was Neues ausdenken.

David Gilmour so: Ne, kein Bock. Lass uns einen auf die alten Zeiten durchziehen.

Nick Mason so: Au geil, auf Syd.

Tja und so schuffen die Konzeptalbenerfinder ein neues Albumkonzept (Arbeitstitel: Ende mit Schrecken) das auch hoffentlich  bald Vorbild sein wird für AC/DC, Rolling Stones, Red Hot Chilli Peppers und die Toten Hosen.

Und wenn er nicht gestorben ist, glänzt er immer noch – der verrückte Diamant.

Plaste ist sich natürlich nicht zu schade, euch zum Lesen ein Bonus-Mixtape zu schenken

 C 60 – Pink Floyd Mixtape

2 thoughts on “Pink Floyd – Wish you were far away

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Please follow & like us :)

RSS
Follow by Email
Facebook
Twitter
Visit Us
INSTAGRAM

Themen

Kommentare

Google Analytics